Schweinsnasenfledermaus

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Schweinsnasenfledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Mausschwanzartige (Rhinopomatoidea)
Familie: Schweinsnasenfledermäuse (Craseonycteridae)
Gattung: Craseonycteris
Art: Schweinsnasenfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Craseonycteris thonglongyai
Hill, 1974

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Die Schweinsnasenfledermaus (Craseonycteris thonglongyai), die auch Hummelfledermaus genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Schweinsnasenfledermäuse (Craseonycteridae) zur monogenerischen Gattung Craseonycteris. Im Englischen wird die Art Old World Hog-nosed Bat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind nach Hill keine bekannt. Benannt wurde die Art nach dem Entdecker, dem thailändischen Forscher Kitti Thonglongya.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schweinsnasenfledermaus erreicht eine Körperlänge von 29 bis 32 Millimeter, eine Ohrlänge von 9,0 bis 10,2 Millimeter, eine Ohrbreite an der Basis von 7,3 bis 8,5 Millimeter, eine Traguslänge (Knorpelmasse an der Ohrmuschel) von 3,8 bis 4,2 Millimeter, eine Schienbeinlänge (Tibia) von 11,7 bis 12,9 Millimeter, eine Fußlänge von 5,8 bis 6,8 Millimeter, eine Vorderarmlänge von 22,5 bis 25,8 Millimeter, eine Daumenlänge von 4,6 bis 5,3 Millimeter, eine Mittelhandlänge (Metacarpus) von (Finger 2 bis 5) von 23,9 bis 26,5 (Finger 2), 19,7 bis 21,7 (Finger 3), 21,7 bis 23,8 (Finger 4), 21,7 bis 23,7 Millimeter (Finger 5), eine Schädellänge von 10,3 bis 11,5 Millimeter sowie ein Gewicht von 1,7 bis 2 Gramm. Mit diesen Maßen gehört die Schweinsnasenfledermaus neben der Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus) zu den weltweit kleinsten Säugetieren (Mammalia). Die Maße und das Gewicht beruhen auf die Feldforschung vom Erstbeschreiber Hill. Markantes Merkmal der Schweinsnasenfledermaus ist die schweineartige und fleischige Nase. Dieses Merkmal war für die Art namensgebend. Das Fell ist dorsal ausgesprochen lang und weist eine graubraune Färbung auf. Ventral ist das Fell kürzer und deutlich heller gefärbt. Das breite Patagium (Flughaut) ist dunkel gefärbt.

Im Bereich des Maules zeigen sich bis auf die nackte Unterlippe kurze Vibrissen. Die Augen sind sehr klein und liegen meist verborgen unter kurzem Haar. Die Ohren sind groß und von lappiger, membraner Struktur. Der Tragus ist gut entwickelt und erreicht mitunter eine Länge von 50 Prozent der Ohrlänge. Die Männchen weisen im Bereich der Kehle eine glanduläre, drüsenartige Schwellung auf, die bei den Weibchen fehlt. Die Funktion dieser Drüse ist unklar. Weibchen verfügen im Bereich der Brust (pectoral) zum Säugen ihres Nachwuchses über ein Paar Zitzen. Ein weiteres Paar Zitzen befindet sich oberhalb des Genitalbereiches. Dies stellt ein primitives Merkmal dar und ist auch bei Mausschwanzfledermäuse (Rhinopoma), Rundblattnasen (Hipposideridae), Großblattnasen (Megadermatidae), Schlitznasen (Nycteridae) und Hufeisennasen (Rhinolophidae) zu finden. Schwanz und Fersenbein (Calcaneus) fehlen den Schweinsnasenfledermäusen. Das Gebiss der Schweinsnasenfledermaus weist 38 Zähne auf, die zahnmedizinische Formal lautet i1/2, c1/1, p1/2, m3/3.

Lebensweise

Während der Ruhephasen halten sich Schweinsnasenfledermäuse in Höhlen auf. Hier hängen sie typisch für Fledermäuse kopfüber an felsigem oder ähnlichem Substrat. Besonders beliebt sind bei den Tieren die zahlreich vorkommenden Kalksteinhöhlen. Sie ziehen sich für gewöhnlich tief in die Höhlen zurück und sind nicht in der Nähe des Höhleneinganges zu beobachten. Aufgrund von Beobachtungen hat man festgestellt, dass Schweinsnasenfledermäuse in kleinen Kolonien von 10 bis 15 Individuen leben. Schweinsnasenfledermäuse sind nachtaktiv. Ihre Aktivität, insbesondere die Nahrungssuche beginnt kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Schweinsnasenfledermäuse orientieren sich über die Echolokation. Sie sind demnach nicht auf ihren schwach entwickelten Sehsinn angewiesen. Die Frequenzen liegen zwischen 35 und 105 kHz, die Impulse erstrecken sich über durchschnittlich 2 Millisekunden (ms).

Verbreitung

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Die Schweinsnasenfledermaus ist nach einhelliger Meinung ausschließlich im westlichen Zentral-Thailand sowie im südöstlichen Myanmar verbreitet. Der erste Fundort, rund um die Region von Ban Sai Yoke, nahe der Grenze zu Myanmar (Birma) lässt den Schluss zu, dass die Art auch über die thailändischen Grenzen hinweg auch in anderen Länder von Südostasien anzutreffen ist.

Ernährung

Die Nahrungssuche und -aufnahme wurden bislang nicht beobachtet. Die vorliegenden Informationen beruhen auf Magenanalysen, die im Senckenberg Museum zu Frankfurt durchgeführt wurden. Im Magen wurden hauptsächlich kleine Käfer (Coleoptera) mit einer Länge von 5 bis 6 Millimeter nachgewiesen. Darüber konnte man kleine Wanzen (Heteroptera), Hautflügler (Hymenoptera), Geradflügler (Orthoptera), Gleichflügler (Homoptera) nachweisen. Da im Magen auch die Chelizeren von kleinen Spinnentieren (Arachnida) gefunden wurden, geht man davon aus, dass auch kleine Spinnen gefressen werden.

Fortpflanzung

Das Fortpflanzungsverhalten wurde bislang noch nicht erforscht. Man weiß, dass die Paarungszeit im Frühjahr, meist im April beginnt. Weitere Informationen liegen nicht vor. Dies entspricht in Thailand der Monsunzeit.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Schweinsnasenfledermaus gehört heute zu den stark gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als stark gefährdet (EN, Endangered) geführt. Die Hauptursachen sind in dem sehr kleinen Verbreitungsgebiet zu suchen. Vor allem die Abholzung der Wälder macht den Tieren zu schaffen, da die Tiere auf ein intaktes Ökosystem angewiesen sind.

Schweinsnasenfledermäuse stehen in Thailand unter Schutz (Wild Animals Reservation and Protection Act, WARPA). Die Tiere finden einen der wenigen sicheren Rückzugspunkte in dem Sai Yok Nationalpark, der im Jahre 1980 gegründet wurde. Über den Status der Tiere in Myanmar ist aufgrund der instabilen politischen Situation nichts bekannt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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