Erdferkel

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Erdferkel
Erdferkel (Orycteropus afer)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Röhrenzähner (Tubulidentata)
Familie: Erdferkel
Gattung: Orycteropus
Art: Erdferkel
Wissenschaftlicher Name
Orycteropus afer
Pallas, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Erdferkel (Orycteropus afer) gehört zur Familie der Erdferkel (Orycteropodidae) sowie zur Gattung der Orycteropus. Im Englischen wird das Erdferkel Aardvark oder Antbear genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Systematik

Evolutionstechnisch gehören Erdferkel zu einer sehr alten Tiergattung. Direkte Vorfahren des heutigen Erdferkels, die Orycteropus depereti und Orycteropus gaudryi durchstreiften bereits im Pliozän vor rund vier bis fünf Millionen Jahren den afrikanischen Kontinent und den Eurasischen Raum. Zu dieser Zeit waren Erdferkel auch in Europa beheimatet. Noch ältere Funde von Röhrenzähnern stammen aus dem Miozän, also einem Zeitraum von fünf bis dreiundzwanzig Millionen Jahren vor unserer Zeitrechnung. Diese ältesten Vertreter der Röhrenzähner werden in der Gattung Myorycteropus zusammengefasst.

Dennoch ist die systematische Einordnung innerhalb der Klasse der Säugetiere nicht unumstritten. Langezeit galt die von Grzimek aufgestellte These, nach der Erdferkel die letzten überlebenden Vertreter der Urhuftiere seien. Aufgrund von DNA-Untersuchungen kam man in letzer Zeit zu dem Schluß, daß diese Einordnung nicht korrekt sei, da das Erdferkel keine Übereinstimmung mit einem noch lebenden Säugetier aufweist. So wurde das Erdferkel vorläufig der Überordnung der Afrotheria zugeordnet. Aufgrund wissentschaftlicher Untersuchungen hat man festgestellt, daß sich Erdferkel vor etwa 90 Millionen Jahren von den Linien anderer Säuger abgespalten haben. Die Vorläufer der Erdferkel lebten also schon zu Zeiten der letzten großen Dinosaurier.

Beschreibung

Das Erdferkel erreicht eine Körperlänge von 110 cm, eine Schwanzlänge von 60 bis 70 cm, ein Stockmaß von 60 cm sowie ein Gewicht von 60 bis 80 Kg. Die ledrige und grobe Haut ist überwiegend graubraun bis gelblichbraun. Grobe Grannenhaare bedecken den Körper spärlich. Der Körperbau des Erdferkels wird sehr plump. Dieser Eindruck wird durch den stark gekrümmten Rücken noch verstärkt. Das Erdferkel ist dennoch ein gewandter Läufer, ein ausgezeichneter und schneller Gräber und ein guter Schwimmer.

Der gekrümmte Rücken geht in einen massigen Hals über, der darauf aufsitzende längliche Kopf wirkt fast zierlich und setzt sich nur wenig vom Hals ab. Die riesigen trichterförmigen Ohren erreichen eine Länge von 15 bis 21 cm und werden bei Grabaktivitäten nach hinten zurückgeklappt, damit kein Erdreich in die Ohren gelangt. Der Kopf endet in einer langen, und den Schweinen ähnlichen röhrenartigen Nase. Die stumpf endende Schnauze weist zwei kreisförmige Nasenlöcher auf, die ebenfalls verschlossen werden können. Die Haut der Schnauze ist sehr dehnbar, was den Erdferkeln ein gutes Kauen ermöglicht. Die extrem lange Zunge weist eine Länge von 25 bis 30 cm auf und ist immer mit klebrigem Speichel bedeckt. Die Augen sind klein und rund. Mit ihnen kann er in der Dunkelheit sehr gut sehen. Die Augen nehmen allerdings keine Farben wahr, sondern sehen alles schwarz-weiß. Der Schädel ist insgesamt lang und verhältnismäßig niedrig.

In Anpassung an seine Nahrungs- und Ernährungsgewohnheiten haben sich die Zahnreihen stark zurückgebildet. Die wurzellosen Zähne sind von zylindrischer, fast sechseckiger Form und finden Halt im Zahnbein. Sie weisen keinen Zahnschmelz auf. Die Zähne sind bei adulten Tieren nur noch im hinteren Teil des Kiefers vorhanden. Sie wachsen dort, ähnlich wie bei den Haien und Rochen, zeitlebens nach. Das Gebiss enthält 20 Zähne.

Die kräftigen Extremitäten haben sich zu mächtigen Grabwerkzeugen herausgebildet. Die etwas längeren Hinterbeine verfügen über fünf Zehen, die Vorderbeine über jeweils vier Zehen, die allesamt mit kräftigen Krallen versehen sind. Mit diesen optimal ausgestatteten Werkzeugen gräbt das Erdferkel seine Baue in den Erdboden. Ein Erdbau besteht aus mehreren Ein- und Ausgängen sowie einem Wohnkessel in der Mitte. Die Gänge können durchaus eine Länge von über zehn Metern haben.

Erdferkel leben einzelgängerisch und meiden strikt den Kontakt zu Artgenossen. Nur das Weibchen hält für eine gewisse Zeit noch Kontakt zu ihrem bereits selbständigen Nachwuchs. Bei Gefahr flüchten Erdferkel meist in ihren Bau. Ist dieses nicht möglich, so suchen sie ihr Heil in der Flucht. Kommt es zu einem Kampf mit einem Feind, so wirft sich das Erdferkel auf den Rücken und teilt Hiebe mit den mächtigen Klauen aus. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen Löwen, Leoparden und Hyänen. Erdferkel stehen aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens in Anhang II unter weltweitem Schutz.

Unterarten

Verbreitung

Verbreitungsgebiet Erdferkel
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Verbreitungsgebiet Erdferkel

Erdferkel sind in weiten Teilen Afrikas verbreitet (siehe Übersichtskarte). Ihr Lebensraum umfasst sowohl Gras- und Buschland als auch lichte Wälder und Savannen. In Höhenlagen kommen sie in Höhen von bis zu 2.000 Metern vor. Nur in reinen Wüsten und dichten tropischen Regenwäldern sind sie nicht zu Hause. Ihr Verbreitungsgebiet ist eng mit größeren Populationen von Ameisen und Termiten gekoppelt. Zum Leidwesen der Farmer sind sie gelegentlich auch auf Ackerflächen anzutreffen. Hier wühlen sie den Boden auf und gefährden so den Saaterfolg. Auf der anderen Seite fressen sie große Bestände an Ameisen und Termiten, die ihrerseits bei zu starkem Aufkommen die Ernte gefährden würden.

Nahrung

Erdferkel sind typische Nahrungsspezialisten. Sie ernähren sich überwiegend von Ameisen und Termiten. Hier und da fressen sie auch andere Insekten und sogar junge Nagetiere. Ihren Flüssigkeitsbedarf stillen sie über Aufnahme von Früchten. Hierzu gehören insbesondere wilde Gurken und diverse Kürbissorten.

Auf ihren nächtlichen Wanderungen, die durchschnittlich zehn bis fünfzehn Kilometer betragen, sind sie auf der Suche nach Termitenbauten. Dabei bewegen sie sich auf einer Schneise von rund 30 Meter Breite im Zickzack-Kurs. Mit ihrer Schnauze schnüffeln sie dabei unerlässlich nach Nahrung. Haben sie einen Termitenbau ausgemacht, so machen sie sich an ihm zu schaffen. Mit ihren mächtigen Klauen können sie selbst härteste Bauten aufreissen. Mit ihrer sehr langen und klebrigen Zunge fahren sie nun in die Spalten oder Löcher und nehmen die Insekten auf. Sie zerstören einen Termitenbau aber nicht komplett und geben den Termiten oder Ameisen die Gelegenheit den Bau binnen kurzer Zeit wieder zu regenerieren.

Eine Besonderheit stellt noch die Beseitigung des Kots dar. Sie graben kleine Löcher und koten in diese. Die Löcher werden danach wieder zugescharrt. Mit dieser Vorgehensweise wollen sie augenscheinlich vermeiden, das Artgenossen ihre Witterung aufnehmen.

Fortpflanzung

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Erdferkel erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit schwankt stark je nach Verbreitungsgebiet. In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete scheint sich das Erdferkel das ganze Jahr über fortzupflanzen. Während der Regenzeit treten die meisten Geburten auf. Geburtsort der Jungtiere ist der Erdkessel im Innern der Erdferkelbauten.

Nach einer Tragezeit von 190 bis 210 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind möglich aber sehr selten. Die Jungtiere sind nackt und zart rosa gefärbt. Sie weisen ein Gewicht von 1.800 bis 2.000 Gramm auf. Die Geburtslänge beträgt rund 30 cm, hinzu kommt der Schwanz mit rund 25 cm.

Die ersten zwei Wochen verbleibt das Jungtier in seiner Gebnurtshöhle. Nach 14 bis 20 Tagen begleitet es die Mutter erstmals auf ihren nächtlichen Streifzügen bzw. der Nahrungssuche. Die Säugezeit beträgt etwa sieben Monate. Danach beginnt das Jungtier einen eigenen Bau zu graben. Dieser befindet sich meist ganz in der Nähe des mütterlichen Baus. Weibliche Jungtiere bleiben für gewöhnlich länger bei der Mutter. In Gefangenschaft erreichen Erdferkel ein Alter von gut 23 Jahren. In Freiheit dürfte das erreichbare Alter deutlich darunterliegen. Gesicherte Erkenntnisse liegen beim Freilandalter nicht vor.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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