Hirschmaus

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Hirschmaus

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Neuweltmäuse (Sigmodontinae)
Tribus: Peromyscini
Gattung: Weißfußmäuse (Peromyscus)
Art: Hirschmaus
Wissenschaftlicher Name
Peromyscus maniculatus
Wagner, 1845

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) gehört innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Weißfußmäuse (Peromyscus). Im Englischen wird diese Maus Deer Mouse genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die eher kleine Hirschmaus erreicht je nach Unterart eine Gesamtlänge von 12 bis 20 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 4,5 bis 10,5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,2 bis 2,4 Zentimeter sowie ein Gewicht von 15 bis 24 Gramm. Die Geschlechter weisen im Wesentlichen keinen Dimorphismus auf. Die Unterarten, die in waldreichen Habitaten vorkommen, werden im Schnitt größer und schwerer. Das dorsale Fell ist kurz und weich und weist eine gräuliche oder graubraune bis rötlichbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell rein weiß gefärbt. Die hell gefärbten Füße waren für die Gattungsbezeichnung maßgebend. Der Kopf ist typischerweise länglich und spitz zulaufend. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die großen und rundlich geformten Knopfaugen weisen eine dunkle Färbung auf und sitzen weit vorne, seitlich am Kopf. Sie ermöglichen eine gute Rundumsicht. Die großen rundlichen Ohren liegen weit hinten am Hinterkopf. Die Ohren sind innen und außen fein behaart. Die Extremitäten sind gut entwickelt, wobei die Vorderbeine kürzer sind als die Hinterbeine. Der Schwanz ist ebenfalls behaart, wenngleich das Fell hier sehr kurz ausfällt. Die Schneidezähne werden durch die Nahrungsaufnahme stark beansprucht und wachsen ständig nach. Zudem sind die Zähne mit einer sehr harten, schützenden Schmelzschicht überzogen. Das kräftige Gebiss der Hirschmaus besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3. Das Weibchen verfügt zum Säugen des Nachwuchses über vier Paar Zitzen.

Lebensweise

Hirschmäuse sind ausschließlich in der Nacht aktiv, am Tage ruhen sie in ihren Unterschlüpfen. Sie leben hauptsächlich einzelgängerisch und gelten als ausgesprochen territorial. Im Winter kann es allerdings zu kleineren Ansammlungen kommen. Auch kleine Familieneinheiten, bestehend aus einem Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs, sind keine Seltenheit. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer und überlappen sich mit denen der Weibchen, zuweilen auch mit denen anderer Männchen. Ein Revier umfasst in der Regel eine Größe von 250 bis deutlich über 1.000 Quadratmeter. Die Reviergröße ist abhängig von der Lebensqualität, insbesondere von Nahrungsaufkommen. Zentraler Platz im Revier ist der Bau, wo sich auch das Vorratslager an Nahrung für Mangelzeiten befindet. Hirschmäuse leben je nach Lebensraum in Erdbauten oder im Wurzelbereich an Bäumen oder an ähnlich geschützten Stellen. Erdbauten werden nicht selbst gegraben, sondern von anderen Tieren übernommen. In der Nähe von landwirtschaftlichen Gebäuden halten sie sich nicht selten auch in Scheunen oder ähnlichem auf. Das Innere der Nester wird mit weichen Pflanzenteilen wie Stroh oder Heu ausgekleidet. Während der Aufzuchtzeit legen Weibchen ein hohes Maß an Territorialität und auch Aggressivität an den Tag. Vor allem der Nachwuchs wird vehement verteidigt, da unbewachter Nachwuchs nicht selten von anderen Hirschmäusen getötet wird.

Hirschmäuse können sowohl sehr gut schwimmen als auch ausgezeichnet klettern. Beim Klettern dient der lange Schwanz als Balancierhilfe. Selbst auf dünnen Zweigen mit einem Durchmesser von weniger als einem Zentimeter können sie sich sicher bewegen. Dennoch leben Hirschmäuse fast ausschließlich terrestrisch. Die Sinne der Hirschmaus sind alle gut entwickelt. Dies gilt insbesondere für den Seh-, Tast- und Geruchssinn sowie für das Gehör. Hirschmäuse sind selbst in den nördlichen Regionen ihrer Verbreitungsgebiete ganzjährig aktiv. Sie halten also keinen Winterschlaf. Für die kalte Jahreszeit legen sie einen Nahrungsvorrat in ihren Nestern an, von dem sie im Winter zehren.

Verbreitung

Hirschmäuse sind mit zahlreichen Unterarten in weiten Teilen Nordamerikas und in den nördlichen Regionen Mittelamerikas verbreitet. Sie fehlen in Nordamerika nur in den subarktischen und arktischen Regionen. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis ins zentrale Mexiko. Auch ausgesprochen kalte Regionen wie Alaska und das zentrale Kanada werden besiedelt. In den USA fehlen die Hirschmäuse lediglich in den südöstlichen Bundesstaaten. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes werden zahlreiche und höchst unterschiedliche Habitate besiedelt. So ist es nicht verwunderlich, das sowohl die offene Tundra, boreale Trockenwälder und Halbwüsten als auch Baum- und Buschsavannen, subtropische Regenwälder, semialpine Bergwälder, Grasland und die offene Prärie sowie landwirtschaftliche Flächen besiedelt werden. Hirschmäuse sind in der Wahl ihrer Lebensräume ausgesprochen anspruchslos und auch anpassungsfähig.

Prädatoren, Parasiten

Hirschmäuse stehen als Teil der Nahrungskette auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Der einzige Schutz gegen Fleischfresser ist ihre verschwiegene, nachtaktive Lebensweise. Zu den wichtigsten natürlichen Fleischfressern gehören beispielsweise Schleiereulen (Tyto alba) und Virginia-Uhus (Bubo virginianus) sowie andere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes). Unter den Säugetieren (Mammalia) stellen den Hischmäusen insbesondere Langschwanzwiesel (Mustela frenata), der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Mauswiesel (Mustela nivalis), Kojoten (Canis latrans) und Rotluchse (Lynx rufus) nach. Ähnliches gilt für zahlreiche Schlangenarten (Serpentes).

Ernährung

Hirschmäuse gelten als opportunistische Allesfresser, die sich sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Kost ernähren. Dazu gehören neben Insekten (Insecta) und Larven vor allem Nüsse, Blüten, Früchte und Beeren, Sämereien, Körner aller Art sowie gelegentlich Pilze. Saisonal schwankt die bevorzugte Nahrung zum Teil stark. Im Herbst und Winter stehen insbesondere Nüsse, Früchte und Sämereien auf dem Speiseplan, im Frühjahr und im Sommer hauptsächlich Insekten. Für die kalte Jahreszeit legen Hirschmäuse Vorräte in Form von Nüssen und fettreichen Sämereien an.

Fortpflanzung

Hirschmäuse erreichen die Geschlechtsreife bereits im Alter von 40 bis 50 Tagen. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen vom Frühjahr bis in den Spätsommer oder Herbst hinein, in südlichen Regionen auch ganzjährig. Dabei kommt es je nach Verbreitungsgebiet zu vier bis sechs oder auch mehr Würfen. Hirschmäuse leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur kurz während der Paarungszeit aufeinander. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich demnach ausschließlich das Weibchen. Sie ist während der Paarungszeit besonders territorial und duldet keine anderen Weibchen in ihrem Revier. Das Revier eines Weibchens deckt sich in der Regel mit denen mehrerer Männchen. Nach einer Tragezeit von 23 bis 25 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und zehn Jungtiere in ihrem Nest zur Welt. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus vier bis sechs Jungen. Die Anzahl der Jungtiere steigt mit zunehmendem Alter eines Weibchens. Die wenigsten Jungtiere weist die erste Geburt eines Weibchens auf. Erst ab der sechsten Geburt nimmt die Anzahl der Jungtiere wieder ab.

Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von etwa 1,5 bis 2 Gramm auf und ist sowohl nackt als auch blind. Das Fell beginnt bereits ab den zweiten Tag zu wachsen. Die Ohren öffnen sich ab den zehnten Tag, die Augen öffnen sich meist fünf Tage später. Gegen Ende der zweiten Lebenswoche öffnen sie erstmals ihre Augen und Ohren, in der vierten Lebenswoche erfolgt bereits die Absetzung von der Muttermilch. Zu diesem Zeitpunkt verlassen sie auch zum ersten Mal das schützende Nest. Die Selbständigkeit erreichen die Jungtiere im Alter von etwa 35 Tagen. Bereits im Alter von gut 10 Wochen sind die Jungtiere ausgewachsen. Aufgrund der zahlreichen Fleischfresser liegt die Lebenserwartung selten bei einem Jahr. Während eines kalten Winters kommt es zusätzlich zu einer erhöhten Mortalität. In Gefangenschaft kann die Hirschmaus durchaus einige Jahre alt werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Bei massenhaftem Auftreten können Hirschmäuse in Wäldern durchaus großen Schaden anrichten, da sie erhebliche Mengen an Sämereien vertilgen. Sie können unter Umständen das Pflanzenwachstum nachhaltig schädigen. Durch ihre Sammeltätigkeit können sie das Wachstum des Waldes im gewissen Umfang anregen. Auf der anderen Seite fressen die Hirschmäuse zahlreiche Insekten und gelten vor allem im Frühjahr und im Sommer als eifrige Insektenvertilger. Hirschmäuse gelten als Träger zahlreicher Krankheiten, die meist über den Kot übertragen werden. Hier ist insbesondere das Hantavirus zu nennen. Hirschmäuse gelten als nicht gefährdet. Sie haben von allen Vertretern der Gattung der Weißfußmäuse (Peromyscus) das größte Verbreitungsgebiet und sind fast überall häufig anzutreffen. Sie werden daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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