Gelbflügelfledermaus
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| Gelbflügelfledermaus | |
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| Systematik | |
| Klasse: | Säugetiere (Mammalia) |
| Unterklasse: | Lebendgebärende Säugetiere (Theria) |
| Teilklasse: | Höhere Säugetiere (Eutheria) |
| Überordnung: | Laurasiatheria |
| Ordnung: | |
| Unterordnung: | Fledermäuse (Microchiroptera) |
| Überfamilie: | Hufeisennasenartige (Rhinolophoidea) |
| Familie: | Großblattnasen (Megadermatidae) |
| Gattung: | Lavia |
| Art: | Gelbflügelfledermaus |
| Wissenschaftlicher Name | |
| Lavia frons | |
| Geoffroy, 1810 | |
| IUCN-Status | |
| Least Concern (LC) - IUCN
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Die Gelbflügelfledermaus (Lavia frons) zählt innerhalb der Familie der Großblattnasen (Megadermatidae) zur Gattung Lavia. Im Englischen wird diese Fledermaus African Yellow-winged Bat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.
Inhaltsverzeichnis |
Beschreibung
Aussehen und Maße
Die Gelbflügelfledermaus erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 60 bis 80 Zentimeter, eine Vorderarmlänge von 5,3 bis 6,4 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 36 Zentimeter, eine Ohrlänge von 3,5 bis 4,7 Zentimeter, sowie ein Gewicht von etwa 30 bis 35 Gramm. Männchen bleiben etwas kleiner als Weibchen. Das Fell weist eine gräuliche bis blaugraue Färbung auf. Dorsal kann das Fell auch bräunlich gefärbt sein. Die Flugmembran, die sich on den Handgelenken bis zu den Fußgelenken erstreckt, weist eine rotbraune bis gelblichbraune Färbung auf. Eine ähnliche Färbung zeigt sich auch im Bereich der Ohren. Die Hand, die die Flugmembran trägt, besteht aus einem kurzen Daumen und vier stark verlängerten Finger. Die sehr großen und stehenden Ohren bilden einen Teil der Echolokation. Im Gegensatz zu anderen Fledermäusen sind die Augen der Gelbflügelfledermaus relativ groß. Mit ihnen kann die Gelbflügelfledermaus jedoch nur schwarz-weiß sehen. Das Gebiss besteht aus 26 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 0/2, 1/1, 1/2, 3/3.
Lebensweise
Gelbflügelfledermäuse bevölkern in der Regel mit mehreren Paaren einzelne Bäume. Dabei kann es durchaus zur Gruppenbildung von bis zu 20 Paaren und mehr kommen. Innerhalb der Gruppen leben Gelbflügelfledermäuse in Paaren, die eine monogame Einehe führen. Jedes Paar beansprucht im Baum ein kleines Revier, dass gegenüber anderen Paaren verteidigt wird. Dies ist in der Welt der Säugetiere nicht weit verbreitet. Innerhalb der Bäume halten sich die Tiere meist in mittlerer bis großer Höhe auf. Hier sind sie vor den meisten Fleischfresser sicher. Gelbflügelfledermäuse hängen wie alle Fledermäuse, die in Bäumen leben, kopfüber an Ästen. Auch die Aufzucht des Nachwuchses obliegt beiden Geschlechtern, wenngleich Männchen sich hauptsächlich um den Schutz kümmern. Gelbflügelfledermäuse sind nachtaktiv. Ihre aktive Zeit beginnt meist kurz nach Einbruch der Nacht und endet im frühen Morgengrauen.
Verbreitung
Gelbflügelfledermäuse sind im westlichen, zentralen und östlichen Afrika weit verbreitet. Sie kommen im Westen vom Senegal bis nach Somalia in Ostafrika vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im einzelnen über Benin, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea-Bissau, Kenia, Malawi, Mali, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Tansania, Togo, Uganda und Sambia. Lichte Wälder und Baumsavannen gehören zu den bevorzugten Lebensräumen. Geschlossene Wälder werden hingegen gemieden. In der Regel ist immer ein Gewässer wie ein See oder ein Fluss im Lebensraum der Tiere zu finden. Aber auch Sumpfgebiete und Höhenlagen bis in Höhen von gut 1.000 Metern über NN. werden als Lebensraum durchaus gerne angenommen. Bäume sind unerlässlich, weil die Gelbflügelfledermäuse hier auf Nahrungssuche gehen und ihre Ruhephasen verbringen.
Prädatoren
Zu den natürlichen Fleischfressern der Gelbflügelfledermäuse gehören vor allem Schlangen (Serpentes) wie die Blandings Nachtbaumnatter (Boiga blandingii) oder die Gewöhnliche Mamba (Dendroaspis angusticeps). Aber auch Fledermaus-Gleitaare (Machaerhamphus) stellen den Gelbflügelfledermäusen regelmäßig nach. Regional können auch Tokos (Tockus), Tiputips (Centropus superciliosus) oder Graukopfwürger (Malaconotus blanchoti) zu den Fleischfressern gezählt werden. Gelbflügelfledermäuse sind sehr wachsam und suchen im Geäst dichter Bäume Schutz. Hier sind sie vor Greifvögeln (Falconiformes) in Sicherheit, keineswegs jedoch vor Schlangen.
Ernährung
Gelbflügelfledermäuse sind reine Insektenfresser. Dazu gehören beispielsweise eine Vielzahl an Käfern (Coleoptera), Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Schmetterlinge (Lepidoptera) und Zweiflügler (Diptera) wie Mücken (Nematocera) und Fliegen (Brachycera). Selbst kleine Insekten wie Termiten (Isoptera) und Ameisen (Formicidae) werden nicht verschmäht. Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich in Bäumen oder in deren unmittelbarer Umgebung. In den offenen Savannen ist es häufig die Schirmakazie (Acacia tortilis). Die Beutetiere werden dabei oftmals im Flug erbeutet oder auch von den Blättern aufgelesen. Im Flug nähert sich die Gelbflügelfledermaus einem potentiellen Beutetier immer horizontal, meist von hinten.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten bereits im zeitigen Januar und kann sich bis in den April oder Anfang Mai erstrecken. Zu dieser Zeit ist Nahrung in Form von Insekten reichlich vorhanden. Weibchen bringen in einer Saison nur einen Wurf zur Welt. Die Geschlechter der Gelbflügelfledermaus leben in einer monogamen Einehe. Das Paarungsspiel ist durch beeindruckende Flugübungen seitens des Männchens geprägt, die bei Gefallen in einem Paarflug enden. Nach einer Tragezeit von gut 90 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich ein Jungtier zur Welt. Das Neugeborene klammert sich instinktiv am Fell der Mutter fest. Dies geschieht in unmittelbarer Nähe zu den Zitzen, wo sich das Jungtier die erste Zeit festsaugt. Das Muttertier ist dadurch nur wenig behindert und geht auch weiterhin mit dem Nachwuchs am Leib auf Nahrungssuche. Die Säugezeit erstreckt sich über knapp zwei Monate. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich für gewöhnlich ausschließlich die Mutter. Der Vater sorgt lediglich für den Schutz des Jungtieres. Nachdem das Jungtier flugfähig ist, bleibt es noch einige Zeit bei den Eltern und wird anfangs mit Insekten versorgt. Das Jungtier erlernt während dieser Zeit (meist um die 30 Tage) auch die Jagdtechniken, um später selbständig auf Nahrungssuche zu gehen.
Ökologie, Gefährdung und Schutz
Die Gelbflügelfledermaus spielt in ihrem Ökosystem eine wichtige Rolle. Sie ernährt sich insbesondere von Schadinsekten und hilft so bei deren Regulierung. Dadurch bleiben auch die Schirmakazien (Acacia tortilis) von Insektenfraß verschont. Die Blütezeit der Schirmakazie erstreckt sich von Dezember bis Februar. Während dieser Zeit fällt eine große Zahl an Insekten in die Bäume ein. Ohne die Gelbflügelfledermaus würden Insekten die Blüten und Blätter der Schirmakazie nachhaltig schädigen.
Gelbflügelfledermäuse gehören heute noch nicht zu den bedrohten Fledermausarten. Akute Bedrohungen können regional jedoch durch die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere von Bäumen in den Savannen und Steppen, ausgehen. In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete ist zudem die Brandrodung gängiges Mittel, um Weide- und Agrarland zu generieren. Durch den Wegfall der lichten Wälder und der Bäume in den Savannen wird den Gelbflügelfledermäusen die Nahrungsgrundlage entzogen.
Anhang
Siehe auch
- Hauptartikel: die Ordnung der
Fledertiere (Chiroptera)
Literatur und Quellen
- David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
- Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

