Europäischer Laubfrosch

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Europäischer Laubfrosch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Unterfamilie: Hylinae
Gattung: Laubfrösche (Hyla)
Art: Europäischer Laubfrosch
Wissenschaftlicher Name
Hyla arborea
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) zählt innerhalb der Familie der Laubfrösche i.w.S. (Hylidae) zur Gattung der Laubfrösche (Hyla). Im Englischen wird der Europäische Laubfrosch European tree frog genannt.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wählte am 4. Dezember 2008 den Europäischen Laubfrosch zum Lurch des Jahres 2008. Fachlich unterstützt wurde die Aktion von den österreichischen und schweizerischen Fachverbänden ÖGH und KARCH sowie vom NABU.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Amphibien sind eine sehr alte Klasse von Tieren. Bereits im Zeitalter des Devon, vor etwa 360 Millionen Jahren, tauchten die ersten Vorfahren auf, die sich aus den Knochenfischen (Osteichthyes) entwickelten. Im oberen Karbon, vor rund 300 Millionen Jahren, entwickelte sich schließlich die bisher größte Artenvielfalt der Vorgänger der heutigen Amphibien. Die damaligen Formen unterschieden sich äußerlich jedoch noch erheblich von den heute lebenden Arten. Heute werden die Amphibien in drei rezente Ordnungen eingeteilt. Die Schwanzlurche (Caudata) mit etwa 550 Arten, die Froschlurche (Anura) mit über 5.200 Arten sowie die Schleichenlurche (Gymnophiona) mit rund 170 Arten.

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Europäischer Laubfrosch

Beschreibung

Taxonomie

Der Europäische Laubfrosch gehört zur Ordnung der Froschlurche (Anura). Die artenreiche Ordnung zählt in 33 rezenten Familien über 5.000 Arten. Dabei ist die Familie der Laubfrösche i.w.S. mit gut 800 Arten und der Gattung der Laubfrösche (Hyla) mit rund 330 Arten eine der artenreichsten innerhalb dieser Ordnung. Die Familie der Laubfrösche i.w.S. wird der Unterordnung Neobatrachia zugerechnet, in der auch die Familie der Kröten (Bufonidae) enthalten ist. Die Familie der Laubfrösche i.w.S. unterteilt sich in vier Unterfamilien:

Allgemeines

Der Europäische Laubfrosch erreicht eine Körperlänge von drei bis fünf Zentimeter sowie ein Gewicht von vier bis neun Gramm. Männchen bleiben dabei deutlich kleiner und leichter als Weibchen. Der Körper ist an der Oberseite überwiegend grün bis grasgrün gefärbt. Die Unterseite ist mit weißlich bis gräulich, bisweilen auch cremefarben deutlich heller. Gleiches gilt für die Innenseiten der Beine. Die Hautoberfläche ist glatt und wirkt bei Lichteinfall leicht glänzend. Lateral zieht sich ein dunkler Streifen von der Nasenspitze über die Augen bis hin zu den Hinterbeinen. Dieser Streifen weist eine bräunliche Färbung auf und ist dorsal weißlich begrenzt. Je nach Untergrund kann sich die Hautfarbe des Europäischen Laubfrosches von grünlich nach grau oder braun ändern. Dies dient insbesondere der Tarnung und der Anpassung an den jeweiligen Lebensraum.

Der Kopf des Frosches ist ausgesprochen breit, die Schnauze endet stumpf. Die Augen treten deutlich sichtbar aus den Augenhöhlen hervor. Die Pupillen, die eine goldgelbe Färbung aufweisen, sind waagerecht geschlitzt. Bei Lichteinfall ziehen sie sich zusammen, bei Dunkelheit weiten sich die Pupillen deutlich. Die Extremitäten sind relativ kurz und enden an den vorderen Beinen in vier, an den hinteren Beinen in fünf Zehen. Die Zehen weisen an der Unterseite Haftlamellen auf, die eine rundliche Form besitzen. Mit den Haftlamellen können sie sich an senkrechten und glatten Untergründen und Oberflächen festhalten. Die Kehle des Weibchens ist gräulich, zuweilen auch weißlich gefärbt. Die des Männchens leuchtet gelblich bis ockerfarben. In diesem Bereich besitzt das Männchen eine Schallblase, die als Resonanzkörper den Quak-Lauten dient.

Verhalten

In der Regel hält sich der Europäische Laubfrosch in der unteren Kraut- und Bodenschicht auf. Er kann aber auch sehr gut klettern. Dazu verfügt er auf der Unterseite seiner Füße über Haftballen. Darüber hinaus sind auch die verlängerten Zehen am Ende mit rundlichen Haftballen ausgestattet. Damit kann der Frosch sich selbst auf glatten Oberflächen, wie Blättern und Stengeln, gut festhalten. Jungfrösche und adulte Frösche halten sich hauptsächlich in Hecken und niedrigen Bäumen auf, wo sie auf einer Ansitzwarte auf Beutetiere warten. Diese Ansitzwarten können sich durchaus auch in hohen Bäumen von über 20 Meter Höhe befinden. Als überwiegend nachtaktive Frösche werden Europäische Laubfrösche meist erst nach Einsetzen der Dämmerung oder mit einsetzender Dunkelheit munter. Die Frösche leben einzelgängerisch und suchen die Nähe zum anderen Geschlecht nur zur Paarungszeit. Sie besetzen kein direktes Revier, sondern patroullieren durch ihr Streifrevier, das einen Radius von bis zu zwei Kilometer um das Heimatgewässer haben kann.

Europäischer Laubfrosch
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Europäischer Laubfrosch

Unterarten

  • Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea arborea) - weite Teile Mittel- und Osteuropas
  • Griechischer Laubfrosch (Hyla arborea kretensis) - Griechenland und Teile des Balkans
  • Portugiesischer Laubfrosch (Hyla arborea molleri) - Portugal und das westliche Spanien
  • Krim-Laubfrosch (Hyla arborea schelkownikowi) - Halbinsel Krim

Einige Laubfrösche, die in Südeuropa vorkommen, sind zum Teil eigenständige Arten. Dazu gehören insbesondere folgende Hyla-Arten:

Schutz, Bedrohung

Allgemeines

Der Europäische Laubfrosch ist heute fast in allen Verbreitungsgebieten gefährdet, stark gefährdet oder bereits ausgestorben. In der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) der Europäischen Union wird die Art in Anhang IV als streng geschützt geführt. Korrespondierend liest sich die deutsche Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV); hier wird die Art als besonders geschützt geführt. Daneben gibt es in Deutschland noch die Rote Liste (2 - stark gefährdet) sowie bundeslandspezifische Rote Listen je Bundesland. Der Gefährdungsstatus in den Bundesländern stellt sich wie folgt dar:

  • 0 - ausgestorben: Berlin
  • 1 - vom Aussterben bedroht: Hamburg, Hessen und das Saarland
  • 2 - stark gefährdet: Baden-Württemberg, Brandenburg, NRW, Niedersachsen, Bremen und Rheinland-Pfalz
  • 3 - gefährdet: Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen

In der Roten Liste von Österreich wird der Europäische Laubfrosch ebenfalls als stark gefährdet geführt, in der Schweiz als stark gefährdet bis fast ausgerottet.

Gefährdung

Um die Art des Europäischen Laubfrosches steht es aufgrund einer Verkettung vieler Gefährdungsgründe schlecht. Ein Hauptgrund ist mit Sicherheit die Vernichtung von Kleinstgewässern, insbesondere durch die Versiegelung und Trockenlegung. Auch die Zersiedelung respektive die Habitatfragmentierung durch exzessive Bebauung und intensivierte Landwirtschaft mit einhergehendem exzessivem Pestiziden-Einsatz. Bei Wanderungen zwischen den Lebensräumen, insbesondere auf den Laichwanderungen, kommen zudem viele Tiere im Straßenverkehr ums Leben. Auch der Fischbesatz von Kleinstgewässern hat zum Rückgang der Populationen beigetragen. So fressen eine Vielzahl von Fischarten sowohl den Laich als auch die Larven. In den letzten Jahren wurden viele Bäche und Flüsse begradigt oder die Ufer bepflanzt. Dadurch ist ebenfalls ein Teil der Lebensräume vernichtet worden. Und schlußendlich spielt auch der Wildfang für den illegalen Tierhandel eine herausragende Rolle.

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Europäischer Laubfrosch

Schutzmaßnahmen

Kernpunkt für den Schutz des Europäischen Laubfrosches ist die Erhaltung respektive die Neuanlage von Fortpflanzungsgewässern. Ein solches Gewässer muß diverse Anforderungen erfüllen. So sollte es eine gewisse Größe aufweisen (größer als 100 Quadratmeter) und über ausgedehnte Flachwasserzonen verfügen. Der Uferbereich sollte unbedingt von Gehölzen befreit sein. Allenfalls am nördlichen Ufer des Gewässers könnten derartige Gehölze verbleiben, da sie das Gewässer vor kalten Nordwinden schützen und den Fröschen Unterschlupf gewähren. Als Gehölze bieten sich hier insbesondere Schlehdorn (Prunus spinosa) oder auch Brombeeren (Rubus fruticosa) an. In der unmittelbaren Nähe zum Uferbereich dürfen keine Pestizide oder andere Dünger ausgebracht werden. Das Gewässer an sich muss zudem fischfrei sein. Sinn macht auch ein Verbund aus mehreren Gewässern. Die einzelnen Kleingewässer sollten dann maximal einige hundert Meter voneinander entfernt sein. Die nähere Umgebung kann natürlich auch weiter landwirtschaftlich genutzt werden, jedoch sollte die Nutzung nicht auf einen höchstmöglichen Ertrag ausgerichtet sein. Hier spricht man dann von einer extensiven Bewirtschaftung respektive Landwirtschaft.

Im Falle einer Neuanlage eines Fortpflanzungsgewässers sind natürlich auch diverse Anforderungen zu beachten. So sollte das Gewässer nicht zu tief (im Schnitt maximal einen Meter tief) und insbesondere der nordwestliche Teil sollte besonnt sein. Jegliche Gewächse, die eine Beschattung fördern, sollten erst gar nicht angepflanzt oder entfernt werden. Bei der Anlage ist auch auf flach auslaufende Uferzonen zu achten. Der Ufer- und Wasserbewuchs sollten natürlichen Charakter aufweisen. Schilfbestände sollten nach Möglichkeit bereits im Ansatz entfernt sein.

Fressfeinde

Falls ein Laichgewässer frei von Fischen ist, haben die Kaulquappen relativ wenige natürliche Feinde, und deren Einfluß auf die Population ist gering. Im Laichgewässer kommen der Gelbrandkäfer (Dytiscus marginalis), diverse Wasserwanzen sowie verschiedene Libellenlarven aus der Ordnung der Großlibellen (Anisoptera) als Feinde in Frage. Der Laubfrosch steht aber auch auf der Speisekarte meherer Vogelarten. Dazu gehören insbesondere Störche (Ciconiidae), Reiher (Ardeidae) und Rabenvögel (Corvidae). Diese Vögel fressen nicht nur die Larven, sondern vor allem auch die Jungfrösche und die adulten Tiere.

Hier wird die ausgezeichnete Tarnung deutlich. Der Laubfrosch sitzt in der Mitte auf einem Ast.
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Hier wird die ausgezeichnete Tarnung deutlich. Der Laubfrosch sitzt in der Mitte auf einem Ast.

Parasiten

Neben sichtbaren Fressfeinden, hat der Europäische Laubfrosch eine Vielzahl mehr oder weniger unsichtbarer Feinde. Ekto- und Endoparasiten verschiedenster Art leben an den unterschiedlichsten Stellen im oder am Körper der Europäischen Laubfrösche. Diese, im allgemeinen sehr kleinen Feinde, haben eine weit größere Auswirkung als die großen, uns allen bekannten Fressfeinde, wie zum Beispiel die Störche. So befallen als Ektoparasit (Außenparasit) insbesondere kleine Wimperntierchen (Chilophora) die Haut und die Atmungsorgane der Kaulquappen. Wimpertierchen sind eukaryotische, einzellige Lebewesen, die insbesondere im Süßwasser vorkommen. Je nach Befallsdichte kann ein Befall mit Wimperntierchen (Chilophora) für die Kaulquappen durchaus tödlich sein. Fast schlimmer erscheinen da die Vielzahl von Endoparasiten, die insbesondere Därme, Leber, Atmungs- und Exkretionsorganen angreifen. Zu den Hauptparasiten gehören hierbei Saugwürmer (Trematoda), Entamoeba ranarum und Entamoeba histolytica (Amöbenarten).

Verbreitung

Verbreitungsgebiete

Der Europäische Laubfrosch ist in weiten Teilen Südeuropas und im gemäßigten Mittel- und Osteuropa verbreitet. Die Nominalform kommt insbesondere in Mitteleuropa vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Frankreich über die Beneluxstaaten und Deutschland bis in den westlichen Teil Rußlands. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis auf die Höhe von Dänemark. Der Griechische Laubfrosch (Hyla arborea kretensis) ist insbesondere im südlichen Balkan in Griechenland und in Albanien verbreitet. Der Portugiesische Laubfrosch (Hyla arborea molleri) besiedelt die Iberische Halbinsel Portugals und weite Teile Spaniens. Auf der Krim, einer Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer, lebt der Krim-Laubfrosch (Hyla arborea schelkownikowi). In Skandinavien und auf den britischen Inseln ist der Europäische Laubfrosch nicht verbreitet. In der Schweiz ist er so gut wie ausgerottet. In Österreich kommt er fast ausschließlich im Burgenland, an der ungarischen Grenze, vor. In Deutschland ist er in allen Bundesländern verbreitet, ist dabei aber nicht häufig anzutreffen. In den Neuen Bundesländern ist er deutlich häufiger vertreten. Hier kommt er insbesondere in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor. Je nach Habitat kann der Europäische Laubfrosch in Vergesellschaftung mit dem Grasfrosch (Rana temporaria), Moorfrosch (Rana arvalis), Teichfrosch (Rana esculenta) oder auch Kröten- und Molcharten leben.

Lebensraum

typischer Lebensraum
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typischer Lebensraum

Im Verlaufe eines Jahres beziehungsweise seiner Entwicklung besiedelt der Europäische Laubfrosch höchst unterschiedliche Habitate. Während der einzelnen Phasen finden umfangreiche Wanderungen zwischen den Biotopen statt. Den Winter über verbringt er meist in Laub- oder Mischwäldern oder an Hecken- oder Gebüschrainen. Hier sucht er meist verlassene Nagerbauten oder andere frostsichere Plätze wie Laub- oder Komposthaufen auf. Im Sommer lebt der Europäische Laubfrosch in offenen Landschaften, die sonnenexponierte Lagen aufweisen. Auch Feuchtwiesen, Auwälder und Feldgehölze mit entsprechender Vegetation werden gerne angenommen. Während der Paarungs- und Laichzeit kommen insbesondere flache und vegetationsreiche Tümpel, Teiche, Auenlandschaften, Altarme von Flüssen, Überflutungsbereiche, Gräben mit stehendem Gewässer und ähnlichen Gewässertypen in Betracht. Bei diesen Gewässern darf es sich in keinem Fall um fischbesetzte Wassersysteme handeln. Fische würden sowohl den Laich als auch die Kaulquappen verfressen und so die Population zur Gänze vernichten.

Überwinterung

Der Europäische Laubfrosch gehört zu den poikilothermen, also wechselwarmen Tieren. Seine Körpertemperatur ist nicht konstant und richtet sich im Wesentlichen an der Außentemperatur aus. Unterm Strich kann man sagen, je kälter es ist, desto weniger aktiv ist der Europäische Laubfrosch. Dieses gilt im übrigen für alle Amphibien und Reptilien. Tiefe Nachttemperaturen können durch ein Sonnenbad am Morgen wieder ausgeglichen werden, aber gegen Ende der warmen und gemäßigten Jahrenzeit müssen sie sich an frostsichere Plätzen zurückziehen. Dazu suchen sie in der Regel Erdhöhlen, wie tiefgelegende Nagerbauten, Laub- oder Komposthaufen oder ähnliche Plätze auf. In Deutschland geschieht dies in der Regel im Oktober. In südlichen Verbreitungsgebieten kann die Winteruhe auch erst im November oder Anfang Dezember beginnen. Während der Winterruhe lebt der Europäische Laubfrosch von seinen Fettreserven. Die Winterruhe endet meist Ende Februar oder im März des Folgejahres. In besonders kalten Wintern können Europäische Laubfrösche erfrieren. Die Populationen im Folgejahr sind dann entsprechend kleiner. In Deutschland war das zuletzt im Winter 1995/96 der Fall.

Nahrung

Beutespektrum

Kurz nach dem Schlupf ernähren sich die Kaulquappen noch vom Dottersack ihres Eies. Nachdem sie frei schwimmen können, machen sie aktiv Jagd auf Mikroorganismen, Plankton und zelluläre Abfallstoffe. Gegen Ende ihrer larvalen Entwicklung fressen sie auch größere Beute wie andere Larven und Aas. Die Kaulquappen fressen dabei an toten Fischen, Schnecken und anderen Tieren. Im Wasser lokalisieren Kaulquappen ihre Beute über ihren gut entwickelten Geruchs- und Geschmackssinn. Jungfrösche und ausgewachsene Frösche ernähren sich ausschließlich carnivor. Nach Einbruch der Dunkelheit gehen sie an Land, insbesondere am Boden, auf die Jagd nach allen Arten Insekten und deren Larven, Spinnentiere, sowie gelegentlich Nacktschnecken. Als erwachsener Frosch erfolgt die Lokalisierung über optische Reize. Es werden also nur bewegliche Beutetiere wahrgenommen. Ein Beutetier wird mit der klebrigen Zunge gefangen und im Ganzen verschluckt.

Beutefang

Ein ruhender Laubfrosch.
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Ein ruhender Laubfrosch.

Der Europäische Laubfrosch ist sowohl ein Lauerjäger als auch ein aktiver Jäger. Bewegliche Beute erspäht er mit seinem recht gut entwickelten Sehsinn. Sobald sich ein Opfer in Reichweite der Zunge befindet, schnellt sie heraus und es wird gepackt. Dabei kann sich der Beutefang am Boden abspielen oder auch an einem erhöhten Punkt in der Vegetation. Gelegentlich gelingt es dem Europäischen Laubfrosch auch, fliegende Insekten in vertikaler Ausrichtung zu fangen. Bei der Verfolgung eines Beutetieres kann er recht weite Sprünge vollführen, die nicht nur horizontal, sondern auch in vertikale Richtung verlaufen können. Auch in den Bäumen bewegt er sich als sehr guter Kletterer gewandt und geht auch hier auf die Jagd.

Fortpflanzung

Allgemeines

Der Europäische Laubfrosch erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem bis zwei Jahren, wobei Weibchen in der Regel zwei Jahre für die Erreichung der Geschlechtsreife brauchen. Die Paarungszeit beginnt unmittelbar nach der Winterruhe. Zu diesem Zeitpunkt zieht es die Frösche aus den Winterquartieren an die Laichgewässer. Als erstes treffen die geschlechtsreifen Männchen ein. Dies geschieht stellenweise bereits ab Ende März. Die Regel ist allerdings der April. Insgesamt kann sich die Paarungszeit bis in den Mai hineinziehen. Während der Paarungszeit ist in den späten Abendstunden das charakteristische Froschkonzert zu hören. Mit dem extrem lauten Quaken wollen die Männchen eine potentielle Partnerin beeindrucken. Die Töne werden im Rachen produziert und über die Schallblase, die hierbei als Resonanzverstärker dient, verstärkt. Dabei kommt es regelmäßig zu 80 bis 90 Dezibel. Diese Lautstärke ist zum Beispiel für einen Menschen auf Dauer schädigend.

Neben diesen dominanten Männchen, also die, die das Froschkonzert anstimmen, gibt es noch sogenannte Satellitenmännchen. Diese Satellitenmännchen halten sich stets in der Nähe eines dominanten Männchens auf. Ziel der Satellitenmännchen ist es, ankommende Weibchen abzufangen und sich mit ihnen zu paaren. Hier gilt also nicht immer der Grundsatz "ohne Fleiß kein Preis". Zu einer Paarung kommt es in der Regel um Mitternacht. Wie für Kröten und Frösche üblich, so kommt es zu einer Umklammerung des Weibchens durch das Männchen. Sie bilden dann ein Amplexus-Paar. Weibchen suchen sich bei der Balz ihren Partner selbständig aus. Dabei achten sie insbesondere auf den Gesang eines Männchens. Nicht selten erliegen sie aber auch der Täuschung eines Satellitenmännchens.

Laich

Nachdem sich also ein Pärchen gefunden hat, wird ein passender Laichplatz ausgesucht und es beginnt die Ablage des ersten Laichballens. Dies geschieht in der Regel um Mitternacht. Die gesamte Eiablage kann sich bis in die frühen Morgenstunden hinziehen. Die Ablage erfolgt im flachen Wasser zwischen Wasserfplanzen, an denen die Eiballen angehaftet werden. Ein Laichballen kann, je nach Alter und körperlichem Zustand des Weibchens, zwischen fünf und vierzig Eier enthalten. Ein Ei weist einen Durchmesser von knapp zwei Millimetern auf und ist oberseits bräunlich bis gelblich gefärbt, unterseits weist ein Ei eine fast weißliche Färbung auf. Ein Laichklumpen ist kaum größer als zwei Zentimeter. Jedes Ei ist von einer gallertartigen Masse umgeben, die das Ei schützt. Parallel mit der Ablage eines Laichklumpens erfolgt dessen Besamung durch das Männchen. Es findet eine äußere Befruchtung statt.

Zwischen den einzelnen Laichschüben, von denen es in der Nacht zwischen drei oder vier und gut fünfzehn bis zwanzig geben kann, werden vom Weibchen Pausen eingehalten. Nicht selten wird während einer solchen Pause ein anderer Laichplatz aufgesucht. Mit beginnendem Morgen ist die Eiablage abgeschlossen und die Laichzeit für das Weibchen beendet. Männchen bleiben zum Teil mehrere Wochen am Laichgewässer und paaren sich noch einige Male. Die Entwicklung der Eier hängt sehr stark von der Umgebungs- und Wassertemperatur ab. Sollte sich ein Laichklumpen von einem Halm lösen und zu Boden sinken, so verlängert sich die Zeit aufgrund der niedrigeren Temperaturen am Gewässergrund entsprechend um ein paar Tage.

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Quappen

Nach der Reifung der Eier schlüpfen die Larven. Dies geschieht in der Regel in zwei bis drei Tagen. Die Entwicklungszeit der Larven kann sich über 40 bis 90 Tage erstrecken. In einem kalten Frühjhar kann sich die Entwicklung auch auf über 100 Tage ausdehnen. Unmittelbar nach dem Schlupf weisen die Larven, die auch Kaulquappen genannt werden, eine Länge von durchschnittlich vier Millimeter auf. Die Färbung variiert zunächst von cremefarben bis hellbraun und wandelt sich im Laufe der Entwicklungszeit zu einem Olivgrün um. Gegen Ende ihrer Entwicklungszeit erreichen sie eine Länge von 40 Millimeter oder mehr. Sie verzehnfachen ihre Größe somit im Laufe der larvalen Entwicklung.

Kurz nach dem Schlupf ernähren sie sich vom Dottersack ihres Eies. Kurz danach machen sie bereits Jagd auf Mikroorganismen und Plankton und zelluläre Abfallstoffe. Dabei sind sie keineswegs wählerisch. Erbeutet wird alles, was sich überwältigen läßt. Das Gebiss beteht aus hornartigen Kiefern, die mit feinen Raspelzähnen besetzt sind. Der Körper ist langgestreckt und setzt sich letztlich aus einem Kopf und Magen sowie kräftigem Schwanz zusammen. Der Schwanz dient den Kaulquappen zur Fortbewegung und Steuerung. Der Schwanz ist mit einem Saum versehen, der sich bis zum Kopf erstreckt. Die Augen liegen seitlich am Kopf. Die Atmung erfolgt über innere Kiemen, dem sognannten Spritzloch (Spiraculum). Gegen Ende der larvalen Entwicklung erfolgt die Ausbildung der Extremitäten.

Jungfrosch

Je nach Umgebungs- und Wassertemperatur ist die Metamorphose von der Kaulquappe zum Jungfrosch im Juli oder Anfang August abgeschlossen. In der Übergangsphase hält sich der Jungfrosch meist noch in der Nähe des Laichgewässers auf, ehe er vollständig das aquatile Leben aufgibt. Während der Anfangsphase leben sie noch von ihren Reserven, wobei sie ihren Schwanz vollständig resorbieren. Erst danach geht der Jungfrosch aktiv auf die Jagd und verläßt sein Heimatgewässer. Dabei stellt er seine Ernährungsgewohnheiten vollständig um. Er ernährt sich rein carnivor. Auf Nahrungssuche geht der Jungfrosch wie auch die adulten Frösche nach Einbruch der Dunkelheit. Er wächst ausgesprochen schnell heran. Ein Männchen erreicht dabei bereits mit einem knappen Jahr die Endgröße und die Geschlechtsreife. Europäische Laubfrösche erreichen im Freiland meist ein Alter von drei bis sechs Jahren. In Gefangenschaft kann durchaus ein Alter von deutlich über zehn Jahren erreicht werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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