Delfine

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Delfine
Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine
Wissenschaftlicher Name
Delphinidae
Gray, 1821

Delfine (Delphinidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Wale (Cetacea) und zur Unterordnung der Zahnwale (Odondoceti). In der Familie werden 4 Unterfamilien und 17 Gattungen rund 37 rezente Arten geführt.

Zu den Delfinen rechnet man die Unterfamilien der Schwertwale (Orcininae), der Echten Delfine (Delphininae), der Grindwale (Globicephalinae) und der Cephalorhynchinae.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Delfine sind eine eher junge Familie innerhalb der Wale. Die ersten Vertreter dieser Familie traten im späten Miozän vor etwa 10 bis 12 Millionen Jahren in Erscheinung. Zur gleichen Zeit wie die Delfine tauchten auch die Schweinswale (Phocoenidae) und die Gründelwale (Monodontidae) auf. Der gemeinsame Vorläufer dieser 3 Familien ist Kentriodontidae. Die Abspaltung der 3 Gruppen bzw. Familien erfolgte nach einhelliger Meinung vor rund 10 Millionen Jahren. Die Linie der Kentriodontidae starb im späten Miozän aus. Mit dem Aussterben der letzten Urwale ging eine explosionsartige Entwicklung von modernen Zahn- und Bartenwalen einher. Delfine gehören heute zu der artenreichsten Familie innerhalb der Zahnwale.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Delfine erreichen je nach Art eine Körperlänge von 120 bis 700 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 Kilogramm bis hin zu 4,5 Tonnen. Die kleinste Art ist der Heaviside-Delfin (Cephalorhynchus heavisidii), die mit Abstand größte Art ist der Große Schwertwal (Orcinus orca). Die meisten Arten zeichnen sich durch einen stromlinienförmigen und schlanken Körperbau sowie einem gut entwickeltem Schnabel. Die Färbung und Zeichnung ist sehr variabel.
Verfügt über eine gut ausgeprägte Melone: der Rundkopfdelfin (Grampus griseus)
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Verfügt über eine gut ausgeprägte Melone: der Rundkopfdelfin (Grampus griseus)
Die Färbung reicht von einfarbig bis zweifarbig, von gleichmäßig gezeichnet bis gefleckt. Die unterschiedliche Zeichnung innerhalb einer Art kann der Erkennung untereinander dienen oder auch nur der Tarnung. Abschließende Forschungen liegen hier noch nicht vor. Ein Muster ist jedoch zu erkennen. Arten die in tieferen und dunkleren Gewässern leben sind meist einfarbig, während Arten, die im Oberflächenwasser dorsal meist dunkel und ventral hell gefärbt sind. Im Gegenlicht sind sie unter Wasser für Fleischfresser kaum auszumachen. Die Tarnfärbung macht sie jedoch nicht nur für Fleischfresser schwer ausmachbar, sondern auch für Beutetiere.

Die Rückfinne weist eine meist sichelartige, nach hinten gebogene Form auf und sitzt mittig am Rücken. Sie fehlt lediglich den Glattdelfinen (Lissodelphis). Wie alle Zahnwale (Odondoceti) verfügen auch Delfine über nur ein Blasloch, das eine sichelartige Form aufweist und auf der Kopfoberseite sitzt. Die konkave Seite des Blasloches zeigt nach vorne. Die Kiefer zeigen bei allen eine komplette Bezahnung, wobei die Anzahl der kegelförmigen Zähne je nach Art zwischen 10 und 224 variiert. Delfine verfügen über eine Melone, die bei vielen Arten gut sichtbar im Stirnbereich liegt. Nur bei wenigen Arten wie beispielsweise dem Sotalia (Sotalia fluviatilis) ist die Melone nur sehr schwach ausgeprägt. Auf der anderen Seite zeigt sich beim Rundkopfdelfin (Grampus griseus) eine deutliche Ausprägung der Melone.

Kommunikation

Delfine kommunizieren untereinander wie alle Zahnwale über Laute. Die Lautäußerungen reichen von einfachen Klicklauten bis hin zu Pfiffen und trillernden Geräuschen. Die Laute liegen in einem Frequenzbereich von 0,2 kHz bis 220 kHz. Die Laute dienen jedoch nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Orientierung und der Ortung von Beutetieren. Der Ortung von Beutetieren dienen insbesondere die Klicklaute im Ultraschallbereich.

Intelligenz

Weißstreifendelfin (Lagenorhynchus obliquidens)
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Weißstreifendelfin (Lagenorhynchus obliquidens)

Delfine gehören durchaus zu den intelligenteren Tieren. Sie sind in der Lage, komplizierte Aufgaben zu lösen. Das Gehör spielt dabei eine große Rolle. Sie sind sogar in der Lage allgemeine Regeln abzuleiten und abstrakten Konzepten zu folgen. Da verwundert es nicht, dass das Gehirn im Verhältnis zur Körpergröße relativ groß ist. Es ist im Verhältnis sogar größer als beim Menschen. Die Gehirnrinde weist ähnlich den Primaten (Primates) eine deutliche Fältelung auf. Im allgemeinen gilt dieses Merkmal als Indiz für eine hohe Intelligenz. Die Entwicklung der Hirnmasse ging bei den Delfinen mit einem hohen Stoffwechselaufwand einher. Wahrscheinlich dient die Ausbildung einer hohen Hirnmasse der Speicherung von komplexen Informationen. Eine überwiegend visuelle Kommunikation hätte eine kleinere Hirnmasse hervorgebracht. Ob dem so ist, war bislang noch kein Forschungsgegenstand. Es liegen auch noch andere Thesen vor. Einige Forscher gehen davon aus, dass Delfine für die Bewältigung von einfachen Aufgaben größere Hirne brauchen als beispielsweise Landsäugetiere. Andere Forscher glauben, dass die Hirngröße in Zusammenhang mit der sozialen Entwicklung einhergeht.

Lebensweise

Delfine sind ausgesprochen gesellige Meeressäuger und leben in größeren Schulen. Jedoch geht es nicht bei allen Arten friedfertig zu. So zeigen beispielsweise Große Tümmler (Tursiops truncatus) oder auch Fleckendelfine (Stenella)
Zeigt ein Dominanzverhalten: der Große Tümmler (Tursiops truncatus)
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Zeigt ein Dominanzverhalten: der Große Tümmler (Tursiops truncatus)
ein ausgesproches Dominanzverhalten und verhalten sich auch in Gefangenschaft aggressiv. Es kommt mitunter auch zu Rivalenkämpfen, die nicht selten auch mit Verletzungen wie Abschürfungen enden. Große Tümmler greifen auch andere Delfin- oder Walarten an und töten diese sogar. Die Sozialstruktur unterscheidet sich je nach Art zum Teil erheblich. Einige Arten leben in offenen Sozialstrukturen mit einer hohen Fluktuation in den Schulen. Andere Arten, hier ist beispielsweise der Große Schwertwal (Orcinus orca) zu nennen, leben in deutlich stabileren Sozialeinheiten bzw. Schulen. Ein ähnliches Verhalten legen auch die Vertreter der Unterfamilie der Grindwale (Globicephalinae) an den Tag. Bei vielen Arten leben mehrere Weibchen und deren Nachwuchs in Schulen und geschlechtsreife Männchen stoßen nur während der Paarungszeit dazu. Nach der Paarung suchen die Bullen nicht selten andere Schulen auf und sich hier erneut zu paaren. Beim Großen Tümmler kann es zu unterschiedlichen Sozialorganisationen kommen. So sind neben Familiengruppen, die aus einem Bullen, einem Kalb und deren Nachwuchs auch reine Weibchengruppen mit Nachwuchs bekannt. Kleine Familiengruppen schließen sich nicht selten zu größeren Herden zusammen. Größere Gruppen können auch getrenntgeschlechtlich sein. In Junggesellenherden konnte bei zahlreichen Arten auch eine enge Bindung unter Bullen nachgewiesen werden.

Verbreitung

Lebt im Amazonasbecken: der Sotalia (Sotalia fluviatilis)
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Lebt im Amazonasbecken: der Sotalia (Sotalia fluviatilis)

Delfine treten weltweit in allen Ozeanen und größeren Meeren auf. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich artabhängig von den Polen bis in die tropischen Regionen der Weltmeere. Die meisten Arten leben dabei im Bereich des Kontinentalsockels, einige Arten leben jedoch auch auf hoher See fernab der Küstenregionen. Wahrscheinlich das größte Verbreitungsgebiet weist der Große Schwertwal auf. Er ist in allen Ozeanen sowie den größeren Meeren wie das Mittelmeer und in allen Klimazonen zu Hause. Das schließt sowohl arktische als auch tropische und subtropische Regionen ein. Gelegentlich schwimmt der Große Schwertwal auch in Mündungsdelta von Flüssen hinein. Einige Arten wie der Chinesische Weiße Delfin (Sousa chinensis) leben in unmittelbarer Nähe zur Küste und schwimmen zum Teil weitere Strecke auch Flüsse hinauf. Im Yangtse wurden die Tiere beispielsweise 1.200 Kilometer flussaufwärts gesichtet. Der Sotalia (Sotalia fluviatilis) lebt je nach Unterart im Süßwasser oder in marinen Gewässern. So lebt der Amazonas-Sotalia (Sotalia fluviatilis fluviatilis) im Amazonasbecken, insbesondere in den Flüssen Amazonas, Rio Negro, Rio Madeira, Rio Xingu und Rio Tapajos. Die zweite Unterart, der Guyana-Delfin (Sotalia fluviatilis guianensis), lebt in den marinen, küstennahen Gewässern von Mittelamerika bis zum nördöstlichen Südamerika. Viele Arten sind zwar standorttreu, jedoch kommt es bei einigen Arten zu bestimmten Jahreszeit zur Migration.

Prädatoren

Prädator: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)
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Prädator: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)

Zu den natürlichen Fleischfressern der kleineren Delfin-Arten gehören vor allem Große Schwertwale (Orcinus orca), Kleine Schwertwale (Pseudorca crassidens) und einige Hai-Arten wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias). Perrin <1> vermutet auch, dass auch Kurzflossen-Grindwale (Globicephala macrorhynchus) und Zwerggrindwale (Feresa attenuata) kleinere Delfin-Arten wie die Ostpazifischen Delfine bejagen. Aufgrund der Gruppenbildung fallen nur die Tiere Fleischfressern zum Opfer, die sich außerhalb der Schule aufhalten oder einzelgängerisch leben.

Ernährung

In Abhängigkeit vom Beutespektrum und den Ernährungsgewohnheiten haben Delfine sowohl im Körperbau als auch in der Bezahnung spezielle Anpassungen entwickelt. Arten, die sich überwiegend von Kopffüßern (Cephalopoda) und anderen Weichtieren (Mollusca) ernähren, weisen meist stumpf endende Schnäbel, eine gewölbte Stirn und nur wenige Zähne auf. Arten, die es eher auf Meeressäuger, Fische oder auch Vögel abgesehen haben, weisen meist eine rundliche Stirn auf. Dies scheint eine Anpassung an die Notwendigkeit zu sein, Lautsignale zu empfangen und vor allem zu fokussieren, um schnelle und sehr bewegliche Beutetiere lokalisieren zu können. Die meisten Delfinarten sind opportunistische Fischjäger. Die Nahrungssuche erfolgt artabhängig in Küstennähe oder auch auf hoher See. In der Regel stellen Delfine Schwarmfischen nach, gelegentlich stellen sie aber auch einzelnen Beutetieren nach. Delfine gehen Nahrungskonkurrenten in der Regel aus dem Weg. Man hat festgestellt, dass Delfinarten mit ähnlicher Ernährungsweise im gleichen Verbreitungsgebiet nur selten aufeinandertreffen. Nicht selten jagen unterschiedliche Delfinarten in einem Verbreitungsgebiet in unterschiedlichen Wassertiefen nach Beute oder aber sie gehen zu unterschiedlichen Zeiten auf Nahrungssuche. Die Jagd erfolgt meist in großen Gruppen. Dies macht Sinn, denn mit einer ausgefeilten kooperativen Jagdstrategie kann die Ausbeute einzelner Individuen deutlich erhöht werden. Die Gruppengröße ist in Küstennähe meist deutlich kleiner als auf hoher See.

Die Jagd erfolgt je nach Art im flachen Oberflächenwasser, bei einigen Arten jedoch auch in deutlich tieferen Wasserschichten. Blau-Weiße Delfin (Stenella coeruleoalba) jagen beispielsweise in durchschnittlichen Tiefen von 200 bis 300 Metern. Nachgewiesen sind jedoch auch Tiefen von bis zu 700 Metern. In diesen Tiefen gehen Blau-Weiße Delfine auf die Jagd nach Silberdorsche (Gadiculus argenteus), Laternenfische (Myctophidae), Streifenfisch (Atherina presbyter), Barrakudinas (Paralepididae), Eingeweidefische (Carapidae), Leuchtfische (Phosichthyidae), Einhorndorsche (Bregmaceros), Perlaugen (Scopelarchidae), Medusenfische (Stromateidae) und Soldaten- und Husarenfische (Holocentridae). Aber auch Fliegende Kalmare (Ommastrephidae), Gallertkalmare (Cranchiidae) und Zehnfußkrebse (Decapoda) werden häufig erjagt.

Große Schwertwale weisen eine Vorliebe für Meeressäuger auf. Dabei machen sie sowohl auf kleine als auch auf große Meeressäuger Jagd. Man hat beobachtet, dass sie insbesondere kleinere Seeotter (Enhydra lutris), kleine Wale (Cetacea) und Delfine (Delphinidae), Hundsrobben (Phocidae) und Ohrenrobben (Otariidae) jagen und erbeuten. Jedoch können Schulen sich auf andere Nahrung spezialisiert haben. Das reicht von Fischen und Kopffüßern, über Meeresschildkröten bis hin zu Seevögeln und in antarktischen Gewässern auch Pinguine. Dabei gehen sie immer in Gruppen auf die Jagd.

Fortpflanzung

Allgemeines

Delfine erreichen die Geschlechtsreife je nach Art im Alter von 5 bis 12 Jahren. Die Paarungszeit ist zwar an keine Jahreszeit gebunden, jedoch kommen die meisten Jungtiere in den Sommermonaten zur Welt. Die Geschlechter sind meist nicht leicht zu unterscheiden. Aufgrund der zahlreichen Anpassungen an den Lebensraum Wasser liegen die sonst sichtbaren Geschlechtsorgane in einer Bauchtasche, dem sogenannten Genitalschlitz, verborgen.
Mutter mit Jungtier: Großer Schwertwal (Orcinus orca)
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Mutter mit Jungtier: Großer Schwertwal (Orcinus orca)
Bei beiden Geschlechtern ähnelt sich dieser Genitalschlitz mehr oder weniger stark. Als Unterscheidungsmerkmal kann bei einigen Arten jedoch der Abstand zwischen Genital- und Afterschlitz herangezogen werden. Die beiden schlitzartigen Öffnungen liegen beim Männchen oftmals deutlich weiter auseinander. Auch die Brustdrüsen des Weibchens kann man nur mit geübtem Auge erkennen, da auch sie in Schlitzen verborgen liegen. Das Geschlechtsteil des Männchens, der Penis, liegt im Ruhezustand eingerollt in einer Tasche, die durch eine Art Vorhaut gebildet wird. Ein doppelstrangiger Retraktionsmuskel hält das Geschlechtsteil in der Tasche. Der Penis weist eine säulenartige Form auf und besteht im wesentlichen aus einem schwammigen Gewebe. Erst im Zuge der Erektion füllt sich der Schwellkörper mit Blut und versteift dadurch. Die Retraktionsmuskel lockern ihren "Griff" und lassen den Schwellkörper ausfahren. Die Hoden liegen innen in der Bauchhöhle, es fehlt dadurch ein außenliegender Hodensack (Skrotum). Auch dies stellt eine Anpassung an den Lebensraum dar. Wie bei allen Säugetieren (Mammalia) werden die Spermien in den Hoden produziert und gelangen im Zuge der Kopulation über die Nebenhoden in das Geschlechtsteil. Die endgültige Reife der Spermien erfolgt erst in den Nebenhoden. Die Geschlechtsorgane der weiblichen Delfine ähneln im wesentlichen denen der anderen Säugetiere. Die Eierstöcke, von denen zwei vorhanden sind, liegen im Bereich der Magenhöhle. In den Eierstöcken (Ovar) reifen die Eizellen in einem Ovarialfollikel (Folliculus ovaricus) heran. Man spricht hier auch von kugeligen Eibläschen. Der Gebärmutterhals, der sogenannte Uterus-Hals, öffnet sich zur Scheide hin. Die Scheidenwand ist durch mehrere ringförmige Falten nahe des Gebärmutterhalses geprägt. Zur Paarungszeit bricht ein Follikel auf und die Eizellen wandern in den Eileiter. Der Fortpflanzungszyklus unterscheidet sich je nach Art. Aufgrund der sehr langen Trage- und Säugezeit ergibt sich bei den meisten Arten ein Paarungszyklus von 2 bis 3 oder gar 4 Jahren. Bei den Großen Schwertwalen liegt der Abstand zwischen 2 Geburten bei 6 bis 7 Jahren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Schwangerschaftsrate immer weiter ab und kommt je nach Art zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr völlig zum Erliegen. Die zum Teil sehr langen Fortpflanzungszyklen wirken sich natürlich auch auf die Bestände aus. Eine bedrohte Population erholt sich dann nur sehr langsam.

Werbeverhalten

Delfine führen artunabhängig eine polygame Lebensweise, eine Bindung zwischen den Geschlechtern, die über den Paarungsakt hinausgeht, ist nicht oder nur im geringen Umfang vorhanden. Die Balz geht bei vielen Arten mit einer heftigen Umwerbung eines Weibchens einher. Unter den Bullen einiger Arten kommt es dabei regelmäßig zu heftigen Rivalenkämpfen, die zum Teil erbittert geführt werden. Beim Werbeverhalten spielt der Geruchssinn wie bei anderen Säugern nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr kommen bei den Delfinen spezielle Verhaltensmuster zum Tragen, speziell um die Paarungsbereitschaft zu signalisieren.
Ostpazifischer Delfin (Stenella longirostris)
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Ostpazifischer Delfin (Stenella longirostris)
Über die Dauer einer Kopulation liegen im Wesentlichen fast keine Informationen vor, da Paarungen nur sehr selten beobachtet werden konnten. Es ist davon auszugehen, dass sich eine Kopulation zwischen wenigen Sekunden und wenigen Minuten erstreckt. Bei Großen Tümmlern erstreckt sich die Kopulation beispielsweise nur über wenige Sekunden.

Embryonale Entwicklung, Geburt und Aufzucht

Je nach Delfinart erstreckt sich die Tragezeit über durchschnittlich 10 bis 16 Monate. Beim Großen Schwertwal liegt die Tragezeit beispielsweise bei bis zu 16 Monaten. Ähnliche Tragezeiten werden bei anderen großen Delfinarten wie Grundwalen oder Kleinen Schwertwalen erreicht. Eine eher kurze Tragezeit von etwa 10 Monaten weisen viele kleine Delfinarten auf. Die durchschnittliche Tragezeit bei den mittelgroßen Delfinarten liegt bei etwa 12 Monaten. Bei allen Delfinen läuft der Geburtsprozess ähnlich ab. Nachdem das Neugeborene den Uterus verlassen hat und ins Wasser abgelegt ist, drückt die Mutter es umgehend an die Wasseroberfläche. In der Regel kommt der Nachwuchs mit dem Schwanz zuerst auf die Welt, sehr selten mit dem Kopf zuerst. Der Geburtsvorgang erstreckt sich über nur wenige Minuten und erfolgt im Schutze der Gruppe. Unmittelbar nach dem die Nabelschnur durchtrennt ist, muss das Neugeborene zum Atmen an die Wasseroberfläche. In der Regel kommt es nur sehr selten zu Zwillingsgeburten. Sie sind bei einigen Arten, wenn auch selten, bereits dokumentiert. Der Nachwuchs ist bei der Geburt bereits weit und auch voll entwickelt. Er kann selbständig schwimmen und an der Wasseroberfläche atmen. Gesäugt wird ein Kalb unter Wasser. Über die Brustdrüse wird die sehr fetthaltige Milch regelrecht durch Muskelkontraktion in das Maul eines Kalbes gepresst. Der Säugevorgang erfolgt in der Regel knapp unter der Wasseroberfläche. Auch wenn Kälber schon weit entwickelt zur Welt kommen, so sind sie jedoch vollständig auf den Schutz der Mutter und der Gruppe angewiesen. Die Väter spielen im übrigen aufgrund der polygamen Lebensweise bei der Aufzucht des Nachwuchses keine oder keine große Rolle. Innerhalb einer Herde sind nahe Verwandte der Mutter bei der Aufzucht jedoch behilflich, insbesondere in der Zeit, wo die Mutter auf Nahrungssuche geht. Dieses Verhalten belegt eine hohe soziale Integrität innerhalb einer Herde. Die Säugezeit erstreckt sich je nach Delfinart über durchschnittlich ein Jahr. Die Lebenserwartung liegt bei zahlreichen Arten bei 20 bis 30 Jahren, beim Großen Schwertwal zwischen 50 und 100 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Große Delfinschulen versammeln sich oftmals in nahrungsreichen Fischgründen. Da diese auch vom Menschen beansprucht werden, kommt es nicht selten zu Konflikten. Vor allem die Netze der Fischer stellen eine große Gefahr dar, da sich Delfine in diesen verfangen können und ertrinken. Besonders gefährdet sind Arten, die sich in unmittelbarer Nähe zur Küste aufhalten. Vor allem in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts starben vor allem in den Ringnetzen der Thunfischerei jährlich mehrere Hunderttausend Delfine. Die neue Netzformen konnte der Beifang in den letzten Jahrzehnten immer weiter gesenkt werden. Dennoch stellen Netze immer noch eine Bedrohung dar. In der Nordsee aufgestellte Stellnetze töten auch heute noch jährlich mehrere Tausend Schweinswale und wahrscheinlich einige Hundert Delfine.

Schwarzdelfin (Lagenorhynchus obscurus)
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Schwarzdelfin (Lagenorhynchus obscurus)
Die weit reichende Umwalt- und Wasserverschmutzung, vor allem in den Küstengewässern, stellt ebenfalls ein sehr großes Problem dar. Abwässer, Pestizide und andere Chemikalien werden ins Meer geleitet, Schiffe verklappen ihr Altöl und werfen Abfall über Bord. Mittlerweile hat man zahlreiche gestrandete Wale untersucht und festgestellt, dass zahlreiche der gestrandeten Delfine hohe Schadstoffwerte in ihrem Körper aufwiesen. Ebenfalls problematisch wirkt sich der zunehmende Tourismus und die Schifffahrt in den Küstenregionen aus. Ernste Gefahren drohen nicht nur durch Kollisionen mit Schiffen, sondern auch durch den Lärm der Boote. Delfine können so ihre Orientierung verlieren und ihre Gruppe verlieren oder gar stranden. Die Bejagung der Delfine stellt für die meisten Arten heute keine Bedrohung dar. Allenfalls japanische Walfänger haben es auf Delfine abgesehen und stellen den Tieren nach. Im Schwarzen Meer wurde 1983 die Bejagung von Delfinen verboten. Bis 1983 wurden jährlich 40.000 bis 70.000 Tiere getötet.

Immer wieder kommt es zu Strandungen von Delfinen. Einige von ihnen starben zweifelsohne im Meer und wurden an Land gespült. Die meisten stranden jedoch lebendig. In einigen Fällen konnten die Ursachen festgestellt werden. Zwischen 1989 und 1992 strandeten an den Mittelmeerküsten mehrere Hundert Streifendelfine. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Tiere an Staupe erkrankt waren und zudem hohe Konzentrationen an organischen Umweltgiften wie PCB (Polychlorierte Biphenyle) aufwiesen. Man geht davon aus, dass die Tiere stark geschwächt waren und durch Aktivierung der Fettreserven im Blubber die Schadstoffe freisetzten. Die Freisetzung der Schadstoffe schwächte letztlich das Immunsystem der Streifendelfine. Zu Strandungen kommt es weltweit, eine hohe Konzentration an Strandungen ist jedoch dort zu verzeichnen, wo die Meere besonders schmutzig sind.

Systematik der Delfine

Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens)
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Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens)
Gemeiner Delfin (Delphinus delphis)
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Gemeiner Delfin (Delphinus delphis)
Rauzahndelfin (Steno bredanensis)
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Rauzahndelfin (Steno bredanensis)
Nördlicher Glattdelfin (Lissodelphis borealis)
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Nördlicher Glattdelfin (Lissodelphis borealis)
Borneodelfin (Lagenodelphis hosei)
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Borneodelfin (Lagenodelphis hosei)
Blau-Weißer Delfin (Stenella coeruleoalba),
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Blau-Weißer Delfin (Stenella coeruleoalba),
Schlankdelfin (Stenella attenuata)
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Schlankdelfin (Stenella attenuata)
Zügeldelfin (Stenella frontalis)
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Zügeldelfin (Stenella frontalis)
Kurzflossen-Grindwal (Globicephala macrorhynchus)
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Kurzflossen-Grindwal (Globicephala macrorhynchus)
Hector-Delfin (Cephalorhynchus hectori)
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Hector-Delfin (Cephalorhynchus hectori)
Chinesischer Weißer Delfin (Sousa chinensis)
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Chinesischer Weißer Delfin (Sousa chinensis)

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Ordnung der Wale (Cetacea)

Lesenswerte Einzelartikel (Auswahl)

Literatur und Quellen

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