Carl von Linné

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Prof. Dr. Carl Nilsson Linnaeus, nach seiner Erhebung in den Adelsstand 1762 Carl von Linné, in auf Latein verfassten Werken auch Carolus Linnaeus (* 23. Mai 1707 in Råshult bei Stenbrohult, Kronobergs län, Südschweden; † 10. Januar 1778 in Uppsala), war ein schwedischer Naturwissenschaftler, der die Grundlagen der modernen Taxonomie (binominale Nomenklatur) entwickelte, das Linnésche System. Als Zusatz zu wissenschaftlichen Namen der von ihm beschriebenen Lebewesen kann sein Name mit L. abgekürzt wiedergegeben werden.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carl von Linné wurde in dem kleinen Ort Råshult in der Gemeinde Stenbrohult in Småland, zu dieser Zeit eine Provinz in Südschweden, als Carl Nilsson Linnaeus, Sohn des protestantischen Pfarrers Nils Ingemarsson Linnaeus (1674–1748) und seiner Frau Christina, geb. Broderson, (1688–1733) geboren. Sie war die Tochter des Pfarrers der Gemeinde und als dieser starb, übernahm Linnés Vater dessen Pflichten. Daraufhin, Linné war etwa 18 Monate alt, zog die Familie nach Stenbrohult um. Schon Linnés Vater interessierte sich sehr für Pflanzen und gab sich, da er wie viele Schweden keinen offiziellen Nachnamen hatte, selbst den Namen Linnaeus, eine Latinisierung des smålandischen Dialektwortes linn (dt. Linde), nach einem dreistämmigen Lindenbaum nahe dem Hof Jonsboda, seinem Geburtshaus. Für Linné war ein Leben im Dienste der Kirche vorgesehen, wie vor ihm für seinen Vater und Großvater mütterlicherseits. Er zeigte jedoch wenig Interesse an dieser Laufbahn. Sein Interesse galt der Botanik, was den örtlichen Arzt und Naturkundelehrer Johann Rothman dazu veranlasste, Linnés Vater umzustimmen und so wurde er zum Medizinstudium an die Universität von Lund geschickt. Ein solches Studium war damals gleichbedeutend mit dem Studium der Naturwissenschaften. Im folgenden Jahr wechselte er nach Uppsala.

Grundlage der Klassifikation

Während dieser Zeit gelangte Linné zu der Überzeugung, dass sich die Blüten, die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen, ihre Blütenblätter, Staubblätter und Stempel, gut als Grundlage der Klassifikation eigneten. Er schrieb darüber eine kurze Abhandlung, Preludia Sponsaliorum Plantarum („Hochzeiten der Pflanzen“), der er noch als Student die Stellung eines stellvertretenden Dozenten und Demonstrators am Botanischen Garten verdankte. 1732 finanzierte die Akademie der Wissenschaften in Uppsala seine Expedition nach Lappland, das bis dahin praktisch unbekannt war. Das Ergebnis war ein Buch über die lappländische Pflanzenwelt, Flora Lapponica, das 1737 veröffentlicht wurde. Zudem brachte er von dieser Reise erstmals Spielregeln und Spielbrett des Wikingerspiels Tablut mit und machte es damit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Das 17. Jahrhundert mit seinen stürmischen naturwissenschaftlichen Entdeckungen gerade auch von mikroskopischen Lebewesen hatte zu einer Ansammlung zahlloser Pflanzen- und Tierarten geführt. Eine übersichtliche Ordnung war bereits überfällig geworden. Von den mannigfachen früheren Versuchen zur Systematisierung übten insbesondere diejenigen von John Ray (1627–1705) und Joseph Pitton de Tournefort (1656–1708) Einfluss auf Linné aus. Ray hatte sich mit der Einführung von Doppelbezeichnungen für Gattung und Art bereits der binominalen Nomenklatur angenähert. Sein Vorhaben einer Reformation führte Linné zu einer klar definierten hierarchischen Gliederung aller bekannten Organismen. Zur Klassifizierung verwendete er die aus der mittelalterlichen Scholastik bekannten Begriffe „differentia“ für Artunterschiede und „proprium“ für Arteigentümlichkeiten. Während er davon ausging, für Gattungen und Arten mit „natürlichen“ Merkmalen arbeiten zu können (natürliches System), betrachtete er alle höheren Taxa für künstlich, also nach willkürlichen Regeln kategorisiert (künstliches System). Ein solches Vorgehen erschien ihm aus Gründen der praktischen Anwendbarkeit jedoch geboten, Zitat: „Es ist keine Hoffnung, in unserer Zeit ein natürliches System zu finden, kaum unsere spätesten Enkel werden es können. Aber inzwischen will man ja die Pflanzen kennen, folglich müssen wir künstliche Klassen als Nothelfer annehmen.“

In der zoologischen Systematisierung wich Linné strikt von der aristotelisch beeinflussten Ordnung nach Lebensräumen ab und zog stattdessen morphologische und physiologische Merkmale heran.

Das System Linnés unterschied sich von älteren Ansätzen durch einfachere Handhabung und insbesondere durch größere Offenheit gegenüber der Integration neuer Taxa. Keineswegs aber stellte es eine phylogenetische Systematik im heutigen Sinne dar, sondern er versuchte - ganz in Entsprechung zu seiner tiefen Überzeugung von der Unveränderlichkeit der Arten - die vermeintliche Statik in der Ordnung des Lebendigen abzubilden. Dessen ungeachtet gilt Linné als der Begründer der heutigen Systematik, die nach ihm als Linnésches System bezeichnet wird.

Binominale Nomenklatur

Systema Naturae, 10. Auflage
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Systema Naturae, 10. Auflage

Im Jahre 1735 zog Linné für drei Jahre nach Holland, dem damals in den Naturwissenschaften führenden Land, und promovierte dort in Medizin. Hier traf er auf den Botaniker Jan Frederik Gronovius (1690–1762) und zeigte ihm einen frühen Entwurf seiner Arbeit über Taxonomie, das Systema Naturae. Die erste Auflage erschien noch im gleichen Jahr, sie umfasste 10 Folioseiten, während die 13. von 1770 aus mehr als 3000 Seiten bestand. In diesem „System der Natur“ klassifizierte er im Laufe der Zeit drei Reiche für die Pflanzen, Tiere und Mineralien. An dieser Stelle griff er auch den früheren Gedanken, die Blütenmerkmale als Grundlage für die Klassifikation des Pflanzenreiches zu nutzen, wieder auf. Wie für die Pflanzen schon 1753 in seinem Species Plantarum, ersetzte er auch im Systema Naturae die bis dahin üblichen, oft umständlichen Bezeichnungen von Arten wie beispielsweise Physalis annua ramosissima, ramis angulosis glabris, foliis dentato-serratis konsequent durch die systematischen, heute noch gebräuchlichen Doppelnamen (Binomina), in diesem Fall Physalis angulata. Dieses Prinzip zur Benennung von Arten wird „binäre“ oder „binominale Nomenklatur“ genannt. Der erste Teil ist dabei der Name der Gattung. Der zweite Teil, das Epitheton, charakterisiert zusammen mit dem ersten die Art. Für die Zoologie führte er die binäre Nomenklatur erst mit der 10. Auflage von 1758 ein, so dass nunmehr alle Organismen binominal benannt wurden. Eine Nomenklatur der übergeordneten Taxa der Lebewesen erzeugte Linné auf einfache und geordnete Weise.

Bei der Namensgebung vertraute Linné auf den gesunden Menschenverstand. So benannte er den Menschen als Homo sapiens, den wissenden Mensch, behandelte ihn also - eingereiht unter die Primaten - bereits gleichsam als zoologisches Objekt. Er beschrieb aber auch eine zweite menschliche Art, Homo troglodytes bzw. Homo nocturnus, den Höhlenmenschen bzw. Nachtmenschen, mit dem er vermutlich den kurz zuvor beschriebenen Schimpansen meinte. Die Säugetiere nannte er nach den Milchdrüsen Mammalia, weil er Frauen ermutigen wollte, ihre Säuglinge zu stillen.

Die Unterteilung der Lebewesen nach Linné

Das System der Lebewesen unterteilte Linné in 8 Unterpunkte: Reich, Unterreich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung und Art. Dieses System am Beispiel des Löwen sähe also so aus:

Lebensstationen

1739 heiratete Linné Sara Morea, die Tochter eines Arztes. Zwei Jahre später erhielt er einen Lehrstuhl für Medizin in Uppsala, den er bald gegen den Lehrstuhl für Botanik eintauschte. Er setzte seine Arbeit an der Klassifizierung fort und weitete sie auf das Tierreich sowie auf Mineralien aus. Auch wenn die Klassifizierung von Mineralien heute merkwürdig anmutet, so war dies doch rund 100 Jahre vor der Evolutionstheorie durch Charles Robert Darwin (1809–1882) für Linné ein bequemer Weg, die gesamte Natur zu kategorisieren. Nach dem Tod Anders Celsius (1701–1744) definierte er dessen Temperaturskala zu der uns heute bekannten um, da Celsius den Siedepunkt von Wasser mit 0 °C und den Gefrierpunkt mit 100 °C fest legte. Im Jahre 1762 wurde Carl von Linné zum Ritter geschlagen. Linné erlitt 1774 einen Schlaganfall, von dem er sich nur wenig erholte und an dessen Folgen er 1778 starb. Linnés gleichnamiger Sohn Carl von Linné (1741–1783) wurde ebenfalls Botaniker.

Sein botanischer Garten kann heute in Uppsala besichtigt werden, dort legte er auch erstmals eine von ihm entwickelte Blumenuhr an.

Werke

Carl von Linné verfasste etwa 180 wissenschaftliche Werke, hier ein Auszug davon:

  • Supplementum Plantarum Systematis Vegetabilium. Braunschweig 1781 p.m.
  • Genera Plantarum. Varrentrap, Frankfurt 1778.
  • Nomenclator Botanicus. Junius, Leipzig 1772.
  • Reisen durch Westgothland. Curt, Halle 1765.
  • Reisen durch Oeland und Gothland. Curt, Halle 1764.
  • Species plantarum. Salvius, Stockholm 1753–63.
  • Systema Naturae. Kiesewetter & Vandenhoeck, Stockholm, Göttingen 1748–72.

Literatur

  • Margaret J. Anderson: Carl Linnaeus. Enslow, Springfield 1997. ISBN 0-894-90786-7
  • T. Frängsmyr, S. Lindroth et al.: Linnaeus, the man and his work. Berkeley, Canton 1983–94. ISBN 0-881-35155-5
  • Gunnar Broberg: Linnaeus. Almqvist & Wiksell, Stockholm, Pittsburgh 1980.
  • K. Senglaub & I. Jahn: Carl von Linné. Teubner, Leipzig 1978.
  • William T. Stearn: Carl Linnaeus, classifier and namer of living things. London 1958.
  • Norah Gourlie: The prince of botanists. Witherby, London 1953.
  • Hans-Heinrich Welchert: Linnaeus. Boelten, Stuttgart 1947.
  • Knut Hagberg: Carl Linnaeus. Claassen & Goverts, Hamburg 1940–46.
  • Benjamin D. Jackson: Linnaeus. Witherby, London 1923.
  • Albert Alberg: The floral king. Allen, London 1888.
  • Florence Caddy: Through the fields with Linnaeus. Longmans & Green, London 1887.
  • Johannes Gistel: Carolus Linnaeus. Sauerländer, Frankfurt 1873.
  • William Macgillivray: Lives of eminent zoologists, from Aristotle to Linnæus. Oliver, Boyd, Simpkin & Marshall, London, Edinburgh 1834.
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