Braunbrustigel

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Braunbrustigel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Insektenfresser (Insectivora)
Familie: Igel (Erinaceidae)
Gattung: Kleinohrigel (Erinaceus)
Art: Braunbrustigel
Wissenschaftlicher Name
Erinaceus europaeus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), der auch Westeuropäischer Igel genannt wird, zählt innerhalb der Ordnung der Insektenfresser (Insectivora) zur Familie der Igel (Erinaceidae). Sein nächster Verwandter ist der Weißbrustigel (Erinaceus concolor). Der Braunbrustigel wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) zum Wildtier des Jahres 2009 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Braunbrustigel erreicht eine Körperlänge von bis zu 30 cm sowie ein Gewicht von durchschnittlich 1.000 Gramm. Sein Maximalgewicht kann jedoch auch bis 1.500 Gramm betragen. Seine Haut auf Rücken und Nacken ist mit rund 8.000 Stacheln versehen, die eine Länge von zwei bis drei cm aufweisen. Die Stacheln, die letztlich aus Haar bestehen, haben an der Wurzel einen Durchmesser von etwa einem mm. Das Stachelkleid ist hell- bis dunkelbraun gebändert und ermöglicht dem Igel eine gute Tarnung. Gesicht, Kehle und Bauchseite sind behaart. Die Färbung ist ein graubraun bis aschgrau. Der Körperbau ist insgesamt recht rundlich, fast halbkugelartig. Die Ohren sind sehr klein. Mit ihnen kann er aber ausgesprochen gut hören. Auch der Geruchssinn ist hoch entwickelt. Auch wenn man den Schwanz nicht direkt sieht, er hat einen und erreicht eine Länge von drei bis vier cm. Die kleinen Knopfaugen haben eine dunkle Färbung, seine Schnauze ist spitz zulaufend.

Bei Gefahr rollt sich der Igel zusammen und präsentiert seinem Angreifer sein Stachelkleid. Durch die Kontraktion seines sogenannten Ringmuskels ist er dazu in der Lage. Es gibt nur wenige Angreifer, die dazu in der Lage sind, diesen Schutz zu durchbrechen. Dazu gehört der Dachs und Greifvögel wie Adler und große Eulen. Der Igel ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Jäger, der sich tagsüber in seinem gut geschützten Nest verbirgt. Mit seinen relativ langen Beinen ist er in der Lage, recht schnell zu laufen. Auch im Klettern und Schwimmen stellt er sich geschickt an. Neben Geruchs- und Hörsinn ist vor allem sein Geschmackssinn sehr gut entwickelt. Seine Geschmacksrezeptoren geben ihm Aufschluss über die Beute, die gefangen wurde. Die Sinneszellen leiten diese Informationen an das Jakobsonsche Organ weiter.

Der Igel ist kein typischer Revierinhaber. Er durchwandert lediglich ein bis zu 100 Hektar großes Streifrevier. Während der kalten Jahreszeit hält der Igel einen echten Winterschlaf. Dieser Winterschlaf ist nicht mit einer Winterruhe zu verwechseln. Sein Nest richtet er für gewöhnlich an geschützter Stelle ein. Das können ein Komposthaufen, Nagetierbauten oder auch Bodensenken sein, die mit Reisig überdeckt sind. Er fällt zwischen November bis April in einen tiefen Schlaf, in dem seine Körpertemperatur um fünf bis sieben Prozent abgesenkt ist. Sein Herzschlag reduziert sich von 180 Schlägen in der Minute auf 20 Schläge.

Viele Igel sind von allerlei Parasiten befallen. An Endoparasiten sind hier insbesondere der Lungenwurm und diverse Haarwürmer zu nennen. Insbesondere Kokzidien befallen dabei den Darmtrackt und schwächen so manchen Igel sehr. Daneben sind Igel auch oftmals von Ektoparasiten wie Flöhe und Zecken befallen. Der Braunbrustigel ist heute noch nicht vom Aussterben bedroht. Dennoch sterben jedes Jahr bis zu 500.000 Igel alleine im Straßenverkehr.

Unterarten

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Verbreitung

Der Braunbrustigel ist in weiten Teilen des gemäßigten Europas beheimatet. Auch Kleinasien bis Ostchina gehören zu seinen Verbreitungsgebieten. Er bewohnt unterholzreiche Waldränder, Hecken, Gärten und Parks. Auch Heide- und steppenähnliche Habitate werden angenommen. Er ist bis in Höhen von rund 2.000 Metern anzutreffen.

Nahrung

Als Insektenfresser bevorzugt er allerlei Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera) aller Art, Tausendfüßer (Myriapoda), Asseln (Isopoda), Schnecken (Gastropoda) und ähnliches. Pflanzliche Nahrung nimmt er keine zu sich. Ihm scheinen aber auch Eier von Vögeln (Aves) zu schmecken, da sie sich auch auf diese gierig stürzen. Auf die Jagd geht der Igel in den frühen Abend- und Nachtstunden.

Fortpflanzung

Igel erreichen die Geschlechtsreife mit neun bis zehn Monaten. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr oder Frühsommer. Das Nest wird vom Weibchen gebaut und entsteht an geschützter Stelle aus Gräsern und Laub. Das Männchen verläßt das Weibchen unmittelbar nach der Begattung. Nach einer Tragezeit von 35 bis 40 Tagen bringt das Weibchen bis zu 10 Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere weisen ein Gewicht von 15 bis 20 Gramm auf und sind zunächst noch blind. Sie werden für etwa 50 Tage gesäugt.

Bei der Geburt haben die Jungtiere bereits etwa 150 Stacheln, die sich allerdings noch in der Epidermis (Oberhaut) befinden. Haut und das frühe Stachelkleid sind anfangs von weißlicher Färbung. Nach etwa 10 bis 14 Tagen öffnen die Jungtiere erstmals die Augen. Ab diesem Zeitpunkt fangen auch Haare und Stacheln recht schnell an zu wachsen. Nach 25 Tagen verlassen die Jungen zum ersten Mal das schützende Nest und werden von der Mutter herumgeführt. Nach 50 bis 60 Tagen sind sie selbstständig und verlassen die Mutter. Die Sterblichkeit ist unter den Jungtieren im ersten Jahr mit etwa 80 Prozent sehr hoch. In der Natur kann ein Igel ein Alter von bis zu sieben Jahren erreichen. In Gefangenschaft sogar über zehn Jahre.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Igel (Erinaceidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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