Antilopenhase

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Antilopenhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Antilopenhase
Wissenschaftlicher Name
Lepus alleni
Mearns, 1890

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Antilopenhase (Lepus alleni) zählt innerhalb der Familie der Familie Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus). Im Englischen wird die Art Antelope Jackrabbit genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die Gattung Lepus lässt sich in der gesamten Holarktis seit dem späten Pliozän bzw. dem frühen Pleistozän nachweisen. Seit den späten Pleistozän ist die Gattung auch auf dem Vormarsch in südliche Regionen. Heute sind die Vertreter bis in den Süden Afrikas verbreitet. Fossilen Funde des Antilopenhasen stammen beispielsweise aus Burnet Cave in New Mexiko. Die Funde weisen hier ein Alter von 7.100 bis 7.700 Jahre auf. Im Nachhinein stellten sich die Funde aus Burnet Cave als Weißflankenhase (Lepus callotis) heraus.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Männchen und Weibchen der Antilopenhasen weisen einen geringen Unterschied in der Körpergröße auf. Unterschiede zeigen sich zudem zwischen den 3 Unterarten. Die Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 553 bis 670 (619) mm, eine Körperlänge 533 bis 584 (559) mm, eine Schwanzlänge von 52 bis 70 (57) mm, eine Ohrlänge von 146 bis 173 (163) mm, eine Hinterfußlänge von 127 bis 150 (140) mm, eine Hinterfußlänge ohne Krallen von 121 bis 133 (128) mm sowie ein Gewicht von 2.700 bis 4.730 (3.690) Gramm auf. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 597 bis 660 (625) mm, eine Körperlänge 533 bis 584 (558) mm, eine Schwanzlänge von 48 bis 76 (59) mm, eine Ohrlänge von 138 bis 173 (161) mm, eine Hinterfußlänge von 133 bis 150 (141) mm, eine Hinterfußlänge ohne Krallen von 121 bis 133 (127) mm sowie ein Gewicht von 2.880 bis 5.850 (4.050) Gramm auf. Bei den Schädelmaßen ähneln sich die Geschlechter. Die Jochbeinbreite beträgt 46,4 mm, die nasale Länge 45,4 mm, die nasale Breite 22,6 mm, die Tiefe des Rostrum 22,7 mm und die Hirnschädelbreite 27,8 mm. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich in der Fellfärbung kein nennenswerter Dimorphismus. Die sehr langen und fast nackten Ohren sind an den Kanten leicht weißlich gefärbt. Im Bereich der Ohrspitzen is eine zarte schwärzliche Behaarung erkennbar. Das Fell des Kopfes ist rötlichgelb, gemischt mit weißlichen und schwärzlichen Haaren. Rund um die Augen zeigt sich ein weißlicher Augenring. Die Wimpern und die Vibrissen sind schwarz gefärbt. Das dorsale Fell weist eine gelblichbraune Färbung auf. Gemischt ist diese Färbung mit schwärzlichen Haaren. Dies dient im Wesentlichen der Tarnung im Gelände. Ventral ist das Fell weißlich gezeichnet. Eine ähnliche Färbung zeigt sich auch am Schwanz und am Gesäß. Der Schädel des Antilopenhasen ist groß und kräftig gebaut, das Rostrum ist verhältnismäßig lang. Namengebendes Merkmal sind die ausgesprochen lange Beine.

Das Winterfell der Tiere ist deutlich dunkler und auch länger als das Sommerfell. Zum Fellwechsel kommt es im Frühjahr und Spätherbst. Das Fell erreicht eine Länge von 11 bis 15 mm. Das Gebiss weist 28 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3. Die Prämolaren, insbesondere p3, sind relativ schmal. Die langen Ohren dienen keineswegs primär dem gut entwickelten Gehör. Sie dienen in erster Linie der Wärmeregulierung. Über die Ohren geben die Tiere über die erweiterten Blutgefäße in den Ohren Wärme ab. So schützen sie sich im Sommer vor einer Überhitzung. Der Wasserverlust ist bei den Antilopenhasen relativ gering und liegt bei einer Außentemperatur von 25 °C bei 0,06% des Körpergewichtes pro Stunde. Bei 45 °C liegt der Wasserverlust bei 0,9% des Körpergewichtes pro Stunde, bei 51 °C bei 1,3%. Der Wasserverlust erfolgt durch Verdunstung durch die Haut. Messungen haben ergeben, dass die rektal gemessene Körpertemperatur bei 37,6 bis 39,9 (39,2) °C liegt. Die maximale nicht letale Körpertemperatur liegt bei 43 bis 44,1 (43,7) °C, die letale Körpertemperatur liegt bei 44,9 bis 45,9 (45,4) °C. Eine Außentemperatur von 51°C kann ein Antilopenhase für maximal 4 Stunden ohne Schaden überstehen. Bei einer Außentemperatur von 3 bis 25 °C liegt die Körpertemperatur bei 37,9 °C (Best & Henry, 1993).

Lebensweise

Antilopenhasen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Auch wenn die Tiere überwiegend einzelgängerisch oder paarweise leben, kann man sie gelegentlich bei der Nahrungssuche in kleinen Gruppen von 4 bis 6 Tieren beobachten. Die Nahrungssuche erfolgt meist in der Nacht, seltener an bewölkten Tagen auch am Tage. Der Mageninhalt weist nach der Nahrungsaufnahme ein Gewicht von 0,7 bis 3,5 (1,9) % des Körpergewichtes auf. Während der inaktiven Zeit am Tage ruhen Antilopenhasen in flachen Erdmulden, den sogenannten Sassen. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Die Sassen weisen eine Länge von 28 bis 46 cm, eine Breite von 8 bis 15 cm sowie eine Tiere von bis zu 20 cm auf. Antilopenhasen sind nur wenig territorial, sie besiedeln jedoch ein relativ großes Areal, dass außerhalb der Paarungszeit nicht strikt verteidigt wird. Ein durchschnittliches Revier weist eine Größe von etwa 642 Hektar auf. Die Siedlungsdichte liegt bei 0,3 Tiere je Hektar. Die Reviere einzelner Individuen überlappen sich deutlich. Antilopenhasen sind auf der Flucht äußerst schnell und gelten zu den schnellsten Vertretern der Echten Hasen. Sie erreichen Laufgeschwindigkeiten von bis zu 72 km/h und können bis zu 100 bis 150 cm hoch und bis zu 700 cm weit springen. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen (Best & Henry, 1993).

Unterarten

Nach Hall, 1981 (in Wilson & Reeder, 2005), werden 3 Unterarten unterschieden:

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Antilopenhasen erstreckt sich über die trockenen Prärien vom südlichen Arizona/USA südlich bis in den Westen von Sinaloa und Sonora/Mexiko. Eine Unterart ist auf Tiburón-Island endemisch. Die Art kommt in der Ebene und in Höhenlagen bis in Höhen von etwa 1.500 Meter über NN vor. Bevorzugte Lebensräume sind insbesondere die offene Prärie, aber auch Gras- und Buschland sowie reine Wüsten wie die Sonora. Die natürlichen Lebensräume weisen je nach Region höchst unterschiedlichen Pflanzenwuchs auf. Hier sind insbesondere Saguaro (Carnegiea gigantea), Akazien (Acacia), Mesquiten (Prosopis), Jochblattgewächse (Zygophyllaceae) der Gattung Larrea, Eichen (Quercus), Wacholder (Juniperus), Bärentrauben (Arctostaphylos), Opuntien (Opuntia) sowie verschiedene andere Gräser und Sträucher (Best & Henry, 1993) zu erwähnen.

Biozönose

Sympatrie

Nahrungskonkurrent: die Baumwollratte (Sigmodon hispidus)
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Nahrungskonkurrent: die Baumwollratte (Sigmodon hispidus)

In den natürlichen Lebensräumen leben Antilopenhasen in Lebensraum- und Nahrungskonkurrenz mit zahlreichen anderen Tieren wie Dreizehnstreifenziesel (Spermophilus tridecemlineatus), Fleckenziesel (Spermophilus spilosoma), Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii), Baumwollratten (Sigmodon hispidus), Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma albigula und Neotoma lepida, Taschenratten (Geomyidae) wie Chaetodipus penicillatus, Chaetodipus baileyi, verschiedene Rauhaar-Taschenmäuse (Chaetodipus), Seiden-Taschenmäuse (Perognathus) wie Perognathus amplus und Perognathus flavus, Merriams Kängururatten (Dipodomys merriami), Wüstenkängururatten (Dipodomys deserti), Fahnenschwanz-Kängururatten (Dipodomys spectabilis), Amerikanische Erntemäuse (Reithrodontomys) wie Reithrodontomys megalotis, Ord-Kängururatten (Dipodomys ordii), Kaktusmäuse (Peromyscus eremicus), Canyonmäuse (Peromyscus crinitus), Hirschmäuse (Peromyscus maniculatus), Grashüpfermäuse (Onychomys) wie Onychomys leucogaster und Onychomys torridus, , Gebirgs-Taschenratten (Thomomys bottae), Zwergtaschenratten (Thomomys umbrinus), Hausmäuse (Mus musculus), Wüstenspitzmäuse (Notiosorex) wie Notiosorex crawfordi, Eselhasen (Lepus californicus), Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii), Westliche Fleckenskunks (Spilogale gracilis), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Haubenskunks (Mephitis macroura), Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis), Silberdachse (Taxidea taxus), Halsbandpekaris (Pecari tajacu), Gabelböcke (Antilocapra americana), Felsenziesel (Spermophilus variegatus) sowie Maultierhirsche (Odocoileus hemionus) und Weißwedelhirsche (Odocoileus virginianus) (Best & Henry, 1993).

Prädatoren und Mortalität

Prädator: das Nordamerikanische Katzenfrett (Bassariscus astutus)
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Prädator: das Nordamerikanische Katzenfrett (Bassariscus astutus)

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem Großohr-Kitfüchse (Vulpes macrotis), Kojoten (Canis latrans), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Rotluchse (Lynx rufus), Pumas (Puma concolor), Wölfe (Canis lupus), Steinadler (Aquila chrysaetos), Amerikanische Schwarzbären (Ursus americanus) und Nordamerikanische Katzenfrette (Bassariscus astutus).

Krankheiten und Parasiten

In Feldversuche und Laborversuchen konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Diese lassen sich nach Best & Henry, 1993 wie folgt einteilen:

Bandwürmer (Cestoda)
Cittotaenia sp., Taenia multiceps, Multiceps sp. und Raillietina sp.
Fadenwürmer (Nematoda)
Dermatoxys veligera, Wellcomia longejector, Nematodirus arizonensis und Passalurus ambiguous
Milben (Acari, Acarida)
Hexidionis allredi
Zecken (Ixodida)
Haemaphysalis leporispalustris, Buntzecken (Dermacentor) wie Dermacentor albipictus und Dermacentor parumapertus,
Flöhe (Siphonaptera)
Hoplopsyllus affinis und Cediopsylla sp.

Ernährung

Als reiner Pflanzenfresser ernähren sich Antilopenhasen hauptsächlich von Gräsern. Magenanalysen haben ergeben, dass auf Gräser rund 45% der Nahrung entfallen, auf Mesquiten (Prosopis) etwa 36% und auf Kakteengewächse (Cactaceae) gut 7,8%. Die Prozentsätze variieren je nach Vorkommen und Saison. Mineralien nehmen die Tiere in Form von Sand zu sich. In Laborversuchen konnte festgestellt werden, dass ein Antilopenhase pro Tag durchschnittlich 175,5 Gramm an Nahrung zu sich nimmt. Pro Tag werden etwa 522 rundliche Kotkugeln abgegeben. Das Geschlecht, das Alter sowie das Gewicht der Tiere haben keinen Einfluss auf die Anzahl der täglichen Kotkugeln. Sie variieren jedoch leicht in der Größe. Die Kotkugeln weisen je nach Verbreitungsgebiet und aufgenommener Nahrung einen Durchmesser von 6 bis 9 mm auf (Best & Henry, 1993; Flinders & Chapman, 2003).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten von Dezember bis in den September hinein. Die Hauptpaarungszeit reicht jedoch nur vom Frühjahr bis Mitte des Sommers. Mit beginnender Paarungszeit schwellen die Hoden (Testes) an. Nach einer Tragezeit von 42 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 5 (2) Jungtiere zur Welt. Antilopenhasen sind polyöstrische Tiere, das heißt, es treten mehrere Zyklen pro Jahr auf. In der Regel kommt es zu 3 bis 4 Würfen in einer Saison. Die Jungen sind bei der Geburt weit entwickelt und gelten als Nestflüchter. Das Fell ist voll entwickelt und die Augen und Ohren sind geöffnet. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 90 mund 108 Gramm. Die Jungtiere weisen kurz nach der Geburt eine Gesamtlänge von 150 mm, eine Schwanzlänge von 8 bis 8,5 mm, eine Hinterfußlänge von 40 bis 45 mm und eine Ohrlänge von 37 bis 40 mm auf. Bereits am zweiten Lebenstag erreichen die Jungen eine Gesamtlänge von 155 bis 158 mm, eine Schwanzlänge von 22 bis 25 mm, eine Hinterfußlänge von 39 bis 43 mm und ein Gewicht von 133 bis 183 Gramm. Ab dem 5. Lebenstag ist das Gebiss voll entwickelt. Die Säugezeit endet im Alter von etwa 3 Wochen. Jungtiere erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 11 Monaten. Zur ersten Paarung kommt es mit Beginn des zweiten Lebensjahres Best & Henry, 1993; Flinders & Chapman, 2003).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Antilopenhasen gehören noch nicht zu den gefährdeten Arten und sind für gewöhnlich häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In den natürlichen Lebensräumen werden Antilopenhasen vom Menschen wegen des Fleisches gejagt. Die Bejagung hat jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Populationen. Weit schwerwiegender wirkt sich der Eingriff des Menschen in die Natur aus. Weite Flächen der natürlichen Lebensräume wurden mittlerweile in Weide- und Agrarland umgewandelt (Best & Henry, 1993).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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